von Peter Angerer

Mit großer Besorgnis verfolge ich derzeit ein noch nie dagewesenes Beispiel an Ungleichbehandlung, Intoleranz und Ignoranz in unserem Sport. Als ich gestern Abend dann noch eine E-Mail einer Sportlerin aus Berlin erhielt, welche für eine kommende Veranstaltung im Herbst von uns als mögliche Teilnehmerin gesehen wurde, realisierte ich, dass es nun wirklich an der Zeit ist, hier einmal persönlich klar Stellung zu beziehen. Alleine, dass ich in dieser derzeitigen angespannten Lage, mit einem “Es-tut-mir-leid-aber-ich-bin-Deutscher”-Statement beginnen sollte, ist mir zwar zuwider, aber ich denke, dass es (leider) notwendig ist.

Ich bin 45 Jahre alt, Bayer, und trotzdem wirklich Multi-Kulti aufgewachsen. Vom Kindergarten an waren die meisten meiner Freunde und Spielkameraden Türken. Für die meisten von ihnen fungierte meine Mutter als Pflegemutter. Ich ging so ziemlich in jedem türkischen Haushalt in meinem Heimatort ein und aus, wie bei mir zu Hause. Im Sport das selbe Bild. Der Großteil der Mannschaften, in welchen ich von klein auf trainierte, war zumeist großteils türkischer Abstammung und ich war in meiner Jugend mehr Türke als Deutscher. Ich kenne den Koran und schätze die türkische Mentalität, Gastfreundschaft und das Familiendenken in diesem Kulturkreis, in welchem ich mich immer sehr wohl gefühlt habe. Und auch, wenn meine Mannschaft “German Top Team” heißt, so trainieren bei uns Italiener, Türken, Kroaten, Serben, Slowenen, Spanier, Brasilianer und und und…. Kommt mir also bitte nicht mit dem Vorwurf oder irgendwelchen subtilen Unterstellungen, ich sei “rechts”, ein “verkappter Nazi” oder sonstwas. Ich bin Deutscher, lebe und arbeite in Deutschland und bin froh, dass das so ist. Ich bereise seit über 20 Jahren die ganze Welt durch den Sport, habe Freunde und gute Kontakte auf dem ganzen Globus und habe viel über verschiedene Kulturen erfahren und lernen dürfen. Und auch hier bin ich froh, dass dem so ist. Ich würde mich selbst als weltoffen und tolerant bezeichnen, ebenso, wie als direkt und ehrlich.

Politik interessiert mich persönlich so viel, wie eine Kuh auf dem Mond. Ich bin weder Links, noch Rechts, noch Mitte. Das nur mal vorab.

Vor einer Woche wurde ich von einem Bekannten per E-Mail auf Facebook darauf hingewiesen, dass ja Sportler eines Vereins auf meiner Fightcard für “SHOOTO KINGS” stehen, die laut “Antifa” Neo-Nazis sind. Ich solle mir Gedanken um mein Image und eventuellen Schaden desselben machen, wenn ich “diese Leute” bei mir kämpfen lasse. Aha! Meine erste Reaktion: ich schreibe den betroffenen Betreuer direkt an und frage ihn, was es damit auf sich hat und auf was ich mich einstellen darf. Und um es klar zu sagen! Zu keiner Sekunde kam mir der Gedanke, Sportler dieses Betreuers von der Fightcard zu nehmen! Punkt! Zu den Gründen hierfür komme ich noch explizit.

In der letzten Zeit gab es genug “öffentliches Interesse” aus dem “linken”, “liberalen”, “antifaschistischen” oder “sonstwas” Lager in Hinblick auf MMA Veranstaltungen, wie zuletzt “No Compromises FC” und “Fair FC”. Zumindest mit einem (übrigens türkischen) Veranstalter habe ich über dieses Thema gesprochen und erfahren, dass eine wirklich große deutsche Zeitung ihn dazu nötigen wollte, einen Kämpfer, der auch als “Neo-Nazi” “eingestuft” wird, von der Fightcard zu nehmen. Spätestens an diesem Punkt ist bei mir Schluss mit Lustig. Warum das so ist, dazu komme ich ebenfalls noch ganz ausführlich. Übrigens hat der “Neo-Nazi” doch bei dem türkischen Veranstalter gekämpft und es gab auch keine “böse Presse” hinterher. Doch auch hierzu kommt später noch eine kurze Erklärung meinerseits.

Nun schrieb mich gestern Abend eine Sportlerin an und sagte mir klipp und klar, wenn Kämpfer von dem Betreuer XY auf der Fightcard stehen, wird sie nicht kämpfen. Inklusive Link zu einem Artikel der “Antifa”. Vielen Dank für die politische Aufklärung!

Liebe Leute! Ich veranstalte seit 20 Jahren Kampfsport Events in unserem Land. Darunter einige Welt- und Europameisterschaften für wirkliche Weltverbände mit Gästen aus der GANZEN Welt! Noch NIE hat ein Pakistani, Araber, Palästinenser, Japaner, Brasilianer oder Amerikaner sich bei mir über irgendjemand beschwert, der ihm auf der Fightcard nicht passt. Beziehungsweise über die politische Einstellung desjenigen! Und das ist gut so, denn wir sind auf einer SPORTveranstaltung und nicht auf einer Wahlkundgebung, Demo oder sonstwas. Auf unseren Events sieht man keine “Kuttenträger”, “Glatzen” oder halbnackte Ringgirls. Kein Rotlicht-Milieu, keine Gangs, keine Supporter…. Einfach nur Sport! Genau so wenig, wie es mich interessiert, ob jemand wegen Körperverletzung vor Jahren im Gefängnis saß und seine Strafe verbüßte, so wenig interessiert es mich, ob er die Grünen oder sonst irgendeine Partei wählt, in die Kirche geht oder zu irgendeinem Gott betet, oder ob er Abitur hat. Ich bin nicht daran interessiert oder gewillt, irgendwelchen politischen, religiösen oder sonstigen Weltanschauungen eine Plattform zu bieten. Ich mache SPORTveranstaltungen. Ob jemand vor 15 Jahren auf einer NPD Demo oder im “schwarzen Block” aktiv war oder nicht, ist mir egal. Ich bin nicht die Politik-Polizei in unserem Land. Das machen anscheinend ja gerade genügend andere. Da wird gespitzelt, recherchiert, “empfohlen” und “geraten”. In einer Art und Weise, wie man es schon mal in Deutschland hatte, und wie es im Nachhinein gar keinem gefallen hat.

Gerade die Leute, die für Toleranz, Gleichheit, Freiheit und viele weitere schöne Begriffe einstehen, gestehen diese Rechte anderen nicht zu. Wir leben in einer Demokratie! Wir haben eine Freiheitliche Demokratische Grundordnung! Wir haben eine Redefreiheit! Wir haben das RECHT zu wählen! Wir sind das Volk! Da sind nicht alle gleich!!! Da können wir nicht die, die uns nicht passen, verbieten und diskriminieren! Wir können auch nicht Leute, die uns politisch angenehmer sind als andere, “gleicher” behandeln und bevorzugen. Oder eben im Gegenteil die etwas politisch unangenehmeren unterdrücken, ausschließen oder totreden. Wir leben in Deutschland! Im Jahre 2014, wohlgemerkt! Ich möchte an dieser Stelle mal auf zwei interessante Artikel bei Wikipedia verweisen, die sich mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz und mit dem Diskriminierungsverbot beschäftigen. Sollte man vielleicht mal lesen. Und vielleicht auch mal über den Tellerrand seiner eigenen politischen Weltanschauung kucken, wenn man schon dabei ist, die Demokratie zu entdecken….

Ich möchte es an dieser Stelle ganz klar sagen:

1. Ich biete KEINERLEI politischen Gruppierungen oder Gesinnungen eine Plattform bei meinen Sportveranstaltungen. Menschen, welche dies nicht akzeptieren können oder wollen – gleich, aus welchem Lager oder welcher Religion auch immer – werden bei mir auf keinem Event kämpfen! Das reicht vom Neo-Nazi bis zum Ultra Linken! Wer meint, er müsse die Politik oder Religion in den Sport tragen und den Sport für Zwecke der “Zur-Schau-Stellung” seiner politischen oder religiösen Anschauungen missbrauchen, der hat bei mir schlechte Karten.

2. Ich werde mich von keinem Lager, Medium oder sonst wem unter Druck setzen lassen, wer bei mir kämpft und wer nicht. Ich sehe mich hier in erster Linie in meiner Verantwortung dem Sport gegenüber und Sport sollte immer unpolitisch sein. Vor allem aber sollte er generell in allen Belangen neutral und objektiv sein und eben “NUR” Sport!!!

3. Alle Sportler werden bei mir gleich behandelt. Gleich, welcher Nationaliät, Rasse, Religion oder Geschlecht. Sie werden eben von mir als SPORTLER behandelt!

4. Wer versucht, mich oder meine Mitarbeiter unter Druck zu setzen, zu diskreditieren oder zur Zielscheibe zu machen, wird erfahren, dass es neben den entsprechenden Gesetzen in einem demokratischen Staat auch die dazugehörigen Organe gibt, welche sich für die Einhaltung und Durchsetzung derselben verantwortlich zeichnen.

Eine gute Freundin, mit welcher ich mich über dieses Thema lange unterhalten habe, machte eine Aussage, die es meiner Meinung nach ganz gut trifft: “Warum ist der, der einem “Neo-Nazi” einen Stein auf den Kopf haut, besser, als der Neo-Nazi, der ihm einen Stein auf den Kopf haut? Beide hauen einem anderen einen Stein auf den Kopf, nur weil ihm seine Politik nicht gefällt!” Betrachtet man diese Aussage ohne die eigene politische Einstellung, tut sich da eine große Wahrheit auf…

Also, verschont mich bitte mit Euren sicher “gut” gemeinten politischen Erklärungen, Eurer Propaganda und Euren politischen Szeneblättern. Ich will auch nicht konvertieren oder bekehrt werden. Ich mache einfach “NUR” Sport!

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