Was tun gegen die "Kämpfergrippe"?

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von Peter Angerer

Sie werden von den Marktschreiern, als die Helden der Zeit gefeiert. Sie gelten als unbesiegbar, stoisch und wagemutig. Ihr Wille kennt keine Grenzen und ihre Kraft ist nicht messbar. Sie sind fast schon den Göttern gleich gestellt: die MMA „Profis“ in Deutschland. Doch auch sie haben eine Achillesferse, einen wunden Punkt. Die Kämpfergrippe! Ein unglaublich listiger und nicht zu bekämpfender Erreger. Und man kann anscheinend nie immun gegen ihn werden. Einmal infiziert kommt er doch immer und immer wieder und hat die übelsten Auswirkungen auf die MMA „Profis“. Von Gedächtnisverlust, Wahrnehmungsstörungen, blitzschnellen unvorhergesehenen Kampfabsagen wegen voller Hosen, bis hin zu unvermittelt auftretenden Verletzungen kurz vor der Waage oder nicht vorhersehbarem Übergewicht am Waagetag… Alles ist dabei! Vergiss Staph-Infektionen, Ermüdungsbrüche, Übertraining und Blumenkohlohren. Der neue Schocker in der MMA Szene in Deutschland ist die „Kämpfergrippe“!!!!

Und wenn es nicht so verdammt traurig wäre, könnte man sich noch stundenlang darüber amüsieren, mit welchen Ausreden und fadenscheinigen Geschichten die Kämpfer und ihre Teams an die Öffentlichkeit treten. Als erstes schiesst mir da immer ein „Spinnt Ihr?“ in den Kopf, gefolgt von einem „Schämt Ihr Euch eigentlich gar nicht?“. Und das schlimme an der Sache: waren es früher sehr sehr wenige Fälle, häufen sich die Infektionen mit der „Kämpfergrippe“ in letzter Zeit immer mehr und mehr.

Ich selbst bin als Veranstalter bisher weitestgehend von diesen Erscheinungen verschont geblieben. Vielleicht weil man weiß, wie allergisch ich auf solche Weicheier und Dummschwätzer reagiere. Aber ich bin ja auch viel auf anderen Events „hinter der Bühne“ unterwegs und was ich da mitbekomme, lässt mich echt an der jetzigen Generation an „Kämpfern“ zweifeln. Versteht mich nicht falsch. Es gibt genügend verdiente und dekorierte MMA Kämpfer, welche die Bezeichnung „Profi“ auch wirklich verdienen. Aber wenn ich dann wieder so ein Event wie Respect FC „Caged 2“ am Wochenende erlebe, dann frage ich mich wirklich, wohin das mit den „Kämpfern“ in unserem Land noch hinführen soll. Und dabei sind einige der Kämpfer und Teams so dumm, dass sie pfeifen würden, wenn man sie in die Sauna setzt. Leute, realisiert Ihr eigentlich noch, dass IHR es Euch ganz gewaltig verzockt? Dass man Euch bald nicht mehr anfragen wird? Dass Kämpfer aus Euren Teams einfach bei den Promotern abgeschrieben sein werden, weil Ihr es schlicht nicht auf die Reihe kriegt, Euch an Absprachen zu halten, pünktlich und im Gewicht zu sein? Vom kämpferischen und sportlichen fangen wir jetzt mal gar nicht an…

Jetzt kommen gleich wieder die empörten Aufrufe „Ja, aber ohne die Kämpfer sind die Promoter auch nichts!“… Habt Ihr Euch schon mal überlegt, wie viele Promoter es gibt? Und wie viele Kämpfer? Und was kommt nach Adam Riese jetzt dabei raus? Wenn jetzt die unzuverlässige und mit der „Kämpfergrippe“ infizierte Anzahl an MMA „Profis“ in Deutschland einfach wegfallen würde, hätten wir immer noch mehr als genug Kämpfer für alle Events und wir hätten deutlich weniger Ärger, Probleme, dummes Gerede und vor allem qualitativ auch noch bessere Kämpfe.

Ich sag es mal ganz deutlich. Für die „Profi“ MMA Kämpfer und ihre „Trainer“ und „Manager“: werdet erwachsen! Reisst den Mund weniger weit auf und lasst den Worten Taten folgen. Liefert erst mal ab, bevor Ihr irgendwas erwarten wollt. Seid pünktlich, zuverlässig, im Gewicht und habt im Ring oder Cage was drauf. Oder seid einfach ruhig und löst Euch in Luft auf! Ihr stehlt hart arbeitenden Menschen die Zeit. Ihr nervt mit Eurer Unzuverlässigkeit. Eure Lügen und Ausreden mag keiner mehr hören. Es reicht mit Eurem „Star“ Getue. Kommt, seid im Gewicht und liefert ab. Mehr will man nicht. Weder der Veranstalter, noch die Fans, noch Eure Gegner. Das sind Sportler, die sich wochen- und monatelang den Allerwertesten aufreissen, im Gegensatz zu Euch die Sache echt ernst nehmen und professionell betreiben, und die wegen Eurer Unfähigkeit die Leidtragenden ohne Kampf und ohne Gage sind. Dass Ihr Euch überhaupt noch traut in den Spiegel zu schauen….

Und vor allem, denkt Ihr, die Promoter hier in Deutschland kennen sich nicht? Reden nicht miteinander? Nehmen Euren Scheiss echt länger stillschweigend hin? Denkt Ihr, nur weil wir das nicht in der Öffentlichkeit breit treten, ist das von uns geschluckt worden? Wenn Ihr das denkt, dann denkt noch einmal nach….

Ich würde einigen „Kämpfern“ hier in Deutschland ganz schnell eine passendes Gegenmittel gegen die „Kämpfergrippe“ verschreiben. Ist nicht mal apothekenpflichtig. Geht trainieren!!! Macht Amateurkämpfe. Sammelt Erfahrung und entwickelt Euch menschlich und kämpferisch weiter. Dann nehmt einen erneuten Anlauf, seid zuverlässig, pünktlich, im Gewicht und liefert ab und macht das mindestens zehn Mal. Dann reden wir weiter.

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