"Was sind deutsche Kämpfer wert?" Teil 5

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„Wo Licht ist, gibt es auch Schatten“ sagt ein altes Sprichwort. Dies ist natürlich auch im MMA so. Wir konzentrieren uns aber eher auf den „Schatten“ in der nationalen Szene hier in unserem Lande. Um es aber vorweg zu nehmen: es liegt uns nichts daran, Veranstalter oder Kämpfer bloß zu stellen oder die Leistungen herabzuwürdigen. Vielmehr liegt uns daran, die gezeigten Leistungen in die notwendige Relation zu setzen. Mir „Superior FC“ und „Respect FC“ haben wir hierzulande ja auch zwei wirklich großartige Promotions, die im wahrsten Sinne des Wortes „ganze Arbeit“ leisten. Genügend Events, vernünftiges Matchmaking, gute Werbung und Promotion und vor allem stimmt hier auch der Rahmen. Wenn man aber zum Beispiel auf ein groß angekündigtes Event sieht, welches auch auf Eurosport übertragen wird, nur um dann zu sehen ,dass der komplette VIP Bereich von Kuttenträgern einschlägiger Clubs belagert ist und man beim Verlassen der Halle von Polizeibeamten mit Maschinenpistole begrüßt wird, dann hinterlässt das sicherlich keinen guten Eindruck. Oder man geht auf eine Gala die viel zu spät anfängt, dafür stundenlange Pausen im Programm hat und dafür wenigstens ein paar Kämpfe ausgefallen sind.

Wenn man sich so in der deutschen Eventkultur umschaut, kann man manchmal wirklich nicht mehr lachen, sondern nur noch heulen. Und das Beste: diese Events sind dann bei Sherdog gelistet. Schon einen Tag später sieht man dort die Ergebnisse in die Kampfrekorde eingepflegt und dann ist ja wieder alles in Ordnung. Dann ist alles vergeben und vergessen, denn es steht ja auf Sherdog im Kampfrekord. Man sollte dabei in Betracht ziehen, dass Sherdog nichts anderes als eine Internetseite ist. Keine Organisation, kein Verband, nichts offizielles. Einfach nur Sherdog. Aber wenn da der Name drin steht, dann ist das ja schon was. Das sehen ja die Leute in Amerika auch! Leute, glaubt Ihr denn wirklich Joe Silva (Matchmaker der UFC) sucht die Kämpfer für die UFC anhand des Sherdog Rekordes aus? Der in den meisten Fällen nicht stimmt? Wo Amateurkämpfe einiger deutscher Kämpfe als Profifights gelistet sind, weil es Siege waren? Weil hier ganz bewusst und gezielt von manchen gemogelt wird?

Aber ein Kampfrekord von 2-1 auf Sherdog (also als Profi, den man jetzt auch in den USA kennt…) berechtigt ja zu einem Titelkampf? Oder? Richtig! Manchmal muss man auch noch gar keinen Kampf haben, um in Deutschland einen Titelkampf zu bestreiten. Manchmal reicht es einfach nur billig und verfügbar zu sein. Manche Kämpfer biedern sich echt an, wie die Damen des horizontalen Gewerbes. Mit dem Unterschied, dass diese Damen wenigstens etwas von ihrem Geschäft verstehen. Dies kann man bei den meisten deutschen Kämpfern, die natürlich alle eine eigene Webseite haben, einen eigenen Videoblog, einen Manager und und und haben… leider nicht behaupten. Ein „Phänomen“, das in letzter Zeit immer häufiger auftritt, sind z.B. kurzfristige Kampfabsagen, weil man sich zwei Tage vor dem Fight im Sparring verletzt hat. Da muss man sich dann schon die Frage stellen, ob der Kämpfer uns sein Trainer geistig obdachlos sind, dass man zwei Tage vor einem Kampf noch Sparring macht!? Oder die Kämpfer, die dann schwer erkranken, sich bei ihren „Fans“ entschuldigen, weil sie ja so bettlägerig sind und gerade diesen wichtigen Kampf nicht machen können, aber gleichzeitig auf Facebook posten, wie es im Training läuft. Professionalität eines Kämpfers definiert sich unserer Meinung nach durch Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, gute und sinnvolle Vorbereitung um dann im Ring oder Käfig genau das zu tun, für was man letztendlich gebucht wurde: eine ansehnliche sportliche Leistung zu zeigen.

Im Zeitalter von Internet, Youtube, Facebook und vieler weiterer Netzwerke rückt das aber schon ein bisschen in den Hintergrund. Man muss wie bereits vorher erwähnt einfach nur oft und laut genug brüllen und dann billig und verfügbar sein. Schon klappt es mit dem Titelkampf.

Aber auch die Medien, inklusive wir selbst, tragen da ihren Teil mehr oder weniger bewusst dazu bei. Da werden statt Rankings (objetiv) einfach Ratings (subjektiv) ins Netz gestellt, die zumeist dann auch von Personen gemacht werden, die als „Manager“ eines oder mehrerer betroffener Sportler fungieren. Die Rechnung ist einfach: Kämpfer mit hoher Platzierung in den „Rankings“ plus gute Berichterstattung über jeden Furz, den dieser Sportler lässt ist gleich hoher Marktwert. Da muss man einfach nur noch lachen!

Wer sich jetzt vor Lachen noch nicht ganz weggeschmissen hat, der darf morgen in unserem sechsten und vorletzten Teil weiter lesen.