"Was sind deutsche Kämpfer wert?" Teil 4

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International nicht sehr ins Gewicht fallend, werden hierzulande Kämpfer gehyped und gepusht, als wären es Stammkämpfer in einer der großen Ligen im Ausland. Lässt sich dadurch der „Wert“ eines Kämpfers steigern? Werden so Leute für eine echte Profikarriere „aufgebaut“ oder versinken sie mehr oder weniger in der „eigenen Suppe“, an der die örtliche Industrie und die Fachmedien kräftig mitkochen? Und vor allem, warum wollen alle eine Suppe kochen, die im Ausland niemandem schmeckt? Wir werfen mal einen kritischen Blick auf die nationale Eventkultur. Auf den ersten Blick blinkt und blitzt alles. Doch wenn man einen zweiten genaueren Blick riskiert, dann sieht man leider, dass es hier weitaus mehr Schatten als Licht gibt. Generell zu bemerken ist Anfangs, dass wir in Deutschland einen großen Pool an wirklich vielversprechenden Talenten haben. Einige von diesen Talenten hätten auch jetzt schon das Zeug dazu zumindest europaweit gut oben mitzumischen und sich einen Namen zu machen. Dagegen gibt es aber auch leider Sportler, wo der Name und das Image nur eine Mogelpackung ist. Tolle Kampfrekorde gegen handverlesene Gegner, die wirklich noch nicht ernst zu nehmend über Erfahrung verfügen, sind leider eher der Alltag in Deutschland.

Bleiben wir zunächst bei den Talenten. Hier fallen immer wieder Namen auf, die man nicht „nur“ aus dem MMA kennt, sondern die sich auch in Teildisziplinen des MMA, wie z.B. dem Kickboxen oder Grappling hervortun. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Stuttgarter Nico Penzer. Ein Grappling Ass par excellence, der als Stammkämpfer in der DGL für die Stuttgarter Muchachos immer für einen Sieg gegen national wirklich hochklassige Leute gut ist. Ihn hatte niemand so richtig auf dem Schirm, als er für einen Titelkampf bei „Respect FC“ bekannt gegeben wurde. Mit einer fast schon schockierend einfach aussehenden Armbar Submission wies der Stuttgarter den damaligen Titelträger Sebastian Risch in die Schranken und enttrohnte den damals hoch favorisierten Thaibox Spezialisten. Ein Sieg, der für enormes nationales Aufsehen sorgte. Als amtierender Mittelgewichtschampion der wohl renommiertesten deutschen MMA Promotion steht Penzer nun wohl an einem wichtigen Punkt in seiner Karriere, wo er sich der internationalen Konkurrenz stellen sollte, um seinem Titel auch international das nötige und vor allem verdiente Gewicht zu geben.

Aber auch die reinen MMA Sportler beherbergen ein großes Kader an exquisiten Kämpfern, die einfach viel zu wenig international in Erscheinung treten. Die große Frage ist: „Warum?“! Mangelt es an Möglichkeiten? Ist die Kommunikation zu schwer? Wohl eher nicht. Aber was sind dann die Gründe? Man muss in letzter Zeit immer wieder beobachten, dass Kämpfer VOR einem Kampf im Ausland enorm hochgelobt und regelrecht gehyped werden, man nach dem Kampf – der manchmal eben leider in einer Niederlage endet – aber eben im Fall einer Niederlage nichts mehr darüber hört. Was soll denn das bitte? Wird man also bei einer Niederlage einfach totgeschwiegen? Ist man dann nichts mehr wert? Muss man sich für diesen Kampf schämen? Um Gottes Willen, der Mann hat doch trotzdem sein Bestes gegeben, viel Zeit und oft auch Geld in sein Training investiert. Und das ist dann der Dank dafür, dass man nicht den erhofften Erfolg hatte?

Aber lieber die Niederlage totschweigen, den Kampf in Vergessenheit geraten lassen, Grass über die Sache wachsen lassen und dann ganz schnell wieder einen Kampf gegen eine 2. oder 3. Wahl, damit der Kampfrekord wieder stimmt. Ändert das etwas an dem Können des Sportlers? Nein, wohl aber an seinem Image, das man so sehr bemüht ist einseitig in nur eine Richtung zu pflegen. Und ja kein Risiko mehr eingehen. Zu viele Niederlagen im Kampfrekord sind ja gar nicht gut. Da könnte man ja meinen, der Junge kann nix.

Würden sich die Medien nicht so sehr auf dieses Spiel der „Titel- und Rekordgeilheit“ einlassen, dann müssten sich die Kämpfer oder ihre Teams auch nicht so sehr für einen verlorenen Kampf schämen. Der Österreicher Nandor Guelmino gab am vergangenen Wochenende ein gutes Beispiel dessen ab, was wir eigentlich unter „Kämpfen“ verstehen. Wir sind so frei und zitieren Nandor mit einer Statusmeldung, die er auf Facebook nach seinem Kampf gegen Josh Barnett veröffentlicht hatte:

„Liebe freunde!heute wurde ich das erste mal von meinen 17 kampfen submittet!seinem heelhockbin ich entkommen,aber fur den arm triangel choke war es zu spat!ichwollte euch nur sagen dass ich es nicht berreue gegen ihn verloren zu haben!das haben schon 35 profis vor mir getan!!ich habe mich ihm gestellt ,da ich diese chance bekommen und dazu den mut hatte,aber nicht weil ich auf höhenflug unterwegs war und ihn mir ausgesucht habe!!dass ich verloren habe macht mich nicht fertig! aber es mir eine erfahrung mitgegeben!ich weiss dass ich nie mehr so einen starken gegner gegenuberstehen werde! Deshalb sehe ich das als vorteil und keineswegs als etwas ,was ich bereuen sollte!!also bitte keine trostmails mehr,weil ich bin nicht traurig!! ;))) danke euch allen dass ihr mir die daumen gedruckt habt!!der nachste gegner kann nur noch einfacher werden und deshalb bin ich guter laune!!!!!!!!! 😉 gewonnen oder verloren ,strikeforce war einfach das geilste was geri,fernando und ich je erlebt haben!!!!“

Hätten mehr Kämpfer und Teams in Deutschland diese Einstellung, müssten wir wahrscheinlich keinen 5. Teil dieser Serie schreiben, in welchem es dann mehr um den Schatten, als das Licht, in der deutschen Szene geht.