Stellen wir also nochmals fest, dass derzeit nur zwei Deutsche in den European Top Ten gelistet sind und nur einer in einigen Weltranglisten auftaucht. Aber die Deutschen kämpfen doch so viel und sind immer so siegreich?! Wohl eher nicht. Die traurige Wahrheit ist, dass deutsche MMA Sportler so sehr in die internationale Szene gehören, wie die jamaikanische Bobmannschaft zur Winterolympiade. Gerade in Hinblick auf die erwartete Rückkehr der UFC nach Deutschland werden die meisten MMA Sportler in Deutschland so hysterisch, wie seiner Zeit meine Mama bei den Beatles. Da wird geträumt, trainiert, nochmal von der UFC geträumt, ein Grapplingturnier in der Anfängerklasse gekämpft und dann zum dritten Mal vom Kampf in der Königsklasse geträumt. Leute, so geht das nicht….

Betrachten wir doch einmal ganz nüchtern die UFC Bilanzen deutscher Sportler und ziehen unsere Lehre daraus:

Dennis Siver, Bilanz 21-8, Kampfrekord in der UFC 10-5: Dennis Siver ist unser bester MMA Export. Punkt! Der Mann gehört eindeutig in die UFC und ist die wohl wichtigste Galleonsfigur des deutschen MMA zur Zeit. Ein Leitbild für jeden echten MMA Sportler!

Pascal Krauss, Bilanz 8-1, Kampfrekord in der UFC 1-1: Mit nur zwei Kämpfen in eineinhalb Jahren – gleich aus welchem Grund – benötigt der “Panzer” dringend einen Sieg. Er muss sich dringend erfolgreich zurückmelden, sonst könnte er seine Papiere bekommen…

Peter Sobotta, Bilanz 13-4-1, UFC 0-3: Bitter, denn Sobotta ist wohl einer der talentiertesten deutschen Kämpfer, der aber einfach zu früh in die UFC geschubst wurde. Und mit Siegen über 3. Wahl, die vor allem international nicht das geringste Gewicht hat, wird er wohl auch nicht in die UFC zurückkommen. Sobotta hätte das Zeug dazu, ein bisschen die European Top Ten einzuheizen und sich damit wieder für den Marktführer zu empfehlen.

Es sieht also nicht all zu gut aus, wenn man sich am MMA Riesen UFC misst – zumindest aus deutscher Sicht. Es wird sich auch nicht bessern, solange die deutschen MMA Sportler nicht bereit sind, wirklich ein hartes Handwerk zu erlernen. Da gibt es leider keine Abkürzungen, Schleichwege oder Spitzbubenleitern. Da muss man halt trainieren, trainieren und nochmals trainieren. Und dann auch dementsprechend harte Kämpfe annehmen. Denn wenn man ins Ausland will, dann wird man meist mit einem Silbertablett empfangen. Auf welchem man dann dem Lokalmatadoren präsentiert wird. Und trotzdem kann man auch solche Kämpfe gewinnen. Man kann auch starke Gegner schlagen, auch wenn eigentlich alles dagegen spricht. Aber alleine das Risiko einer Niederlage genügt, um den meisten Kämpfern die Lust an eben dem Kämpfen zu nehmen. Warum denn? Darf man denn keine Fehler machen? Darf man nicht dazu lernen und sich dann weiter entwickeln? Ist es so schlimm, wenn man nicht mehr “jungfräulich rein” ist in seinem Kampfrekord? Also da gibt es wirklich schlimmeres. Zum Beispiel ewig mit der Selbstlüge zu leben, man hätte es fast geschafft. Oder noch schlimmer, sich selbst und von anderen einreden zu lassen, dass man richtig gut ist, obwohl man ganz tief in sich drin weiß, wie die Wirklichkeit aussieht.

Was ist es, was einen Dennis Siver oder Daniel Weichel von den meisten in Deutschland unterscheidet? Die beiden haben früher ALLES gekämpft, was sie kriegen konnten. Weichel kämpfte als erster Deutscher erfolgreich beim Profi Shooto in Japan. Bähm! Das ist eine Hausnummer! Siver stieß sich seine Hörner bei “European Vale Tudo” und “Cage Warriors” ab und zeigte international, wo der deutsche Hammer hängt. Klar waren da auch Niederlagen dabei. NA UND?!!! Diese beiden Sportler haben es vorgemacht, wie es zu laufen hat. Dies, gepaart mit dem wichtigsten Faktor überhaupt, ist ein Garant für internationalen Erfolg und damit auch für Marktwert. Dieser wichtigste Faktor ist die Zeit. Echte Karrieren mit einem echten Marktwert werden über harte Gegner und viele Jahre aufgebaut.

Im nächsten Teil werden wir hierzu im Vergleich die nationale MMA “Community” betrachten.

Bild: Susumu Nagao
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