Zugegebener Maßen ein Titel für einen Artikel, der nicht nur kritisch klingen soll, sondern vielmehr eine Thematik in das Gespräch bringt, die noch viel kritischer betrachtet werden muss. Wir beschäftigen uns anhand aktueller Beispiele, Statistiken und Ranglisten mit der genau dieser Frage und versuchen etwas Licht und vielleicht auch die Eine oder Andere Antwort zu dieser Frage ins Dunkel zu bringen. Wir beschränken uns dabei auf die männlichen Sportler, da hier seit mittlerweile Jahrzehnten Wettkämpfe auf regelmäßiger Basis auch im internationalen Vergleich durchgeführt werden, was bei den Damen leider noch nicht so ist.

Stellen wir zunächst einmal fest: MMA boomt! Das ist schön für unseren geliebten Sport, der auch in den Medien immer mehr Anerkennung findet. Doch inspiriert durch einen Artikel auf Käfiggeflüster mit dem Titel “Die Titelflut im deutschen MMA” setzen wir uns jetzt ganz klar mit einem Phänomen auseinander: immer mehr deutsche Kämpfer werden in das Rampenlicht auf nationaler Ebene gestellt und als das Maß der Dinge “verkauft”, wobei eine internationale Anerkennung zu warten und zu wünschen übrig lässt. Zumindest in den meisten Fällen… Warum? Mögen uns die anderen europäischen Länder einfach nicht? Stehen die Kämpfer aus Deutschland nicht für Qualität, Professionalität und Kampfgeist? National passt doch alles! Ein Interview hier, ein paar “Berichte” über Sportler da, ein Titelkampf oben drauf… Gerne wird dieser Hype um einzelne Sportler auch noch mit einem oder mehreren Titeln unterstrichen und dem “Fan” wird suggeriert, dass eben dieser oder jener Kämpfer eigentlich schon lange in die Superleague des MMA – die UFC – gehört. Doch wenn man einmal ganz nüchtern und objektiv die Kampfrekorde und Leistungen der großen Masse an Kämpfern, die einen solchen Hype erfahren, beleuchtet, dann folgt schnell eine herbe Ernüchterung. Da stellt sich die Frage: werden die Deutschen Weltmeister im sich-selber-beweihräuchern? Wem nutzt ein derartig überzogener Hype, von wem und warum wird so etwas gemacht und letztendlich was hat der Sportler davon?

Wir beginnen unsere mehrteilige Serie mit der Feststellung eines Ist-Zustandes. Was haben die Deutschen für ein Gewicht im MMA weltweit? Um diese Frage objektiv und unparteiisch zu betrachten, haben wir uns verschiedener Quellen bedient, ohne dass wir einen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Quellen erheben. Berücksichtigt haben wir die Ranglisten von Ground and Pound, Sherdog, MMA Weekly und MMA Universe. Vorab festzustellen bleibt, dass keine dieser “Rankings” von einem offiziellen Organ, einer anerkannten sportlichen Organisation oder einer unabhängigen Institution geführt werden. Sie stellen also lediglich die subjektive Meinung einiger Personen dar, ohne dass sie von offizieller Stelle Bestätigung oder Anerkennung erfahren.

Wenn man jetzt einmal anhand dieser Ranglisten nach dem Stellenwert deutscher Kämpfer auf internationaler Ebene schaut, dann wird man schnell etwas frustriert. In die Europäischen Rankings haben es gerade mal ZWEI Kämpfer aus unserem Land geschafft! Daniel Weichel und Dennis Siver sind die Namen, die man international wirklich kennt! Zwei Sportler, die sich hauptsächlich im Ausland messen und dort bei respektablen Organisationen seit langem Erfolge einfahren. Daniel Weichel bei M1 und Dennis Siver in der UFC. Vorstellen muss man diese beiden Sportler auch hierzulande niemandem mehr und es gibt eine Gemeinsamkeit, durch welche die zwei Athleten auffallen: um sie gibt es in unserem Lande viel weniger Wirbel und Medienrummel, als um die zweite oder dritte Garde der “Nachwuchskämpfer”. Darüber sollte man sich als intelligenter Mensch mal kurz seine Gedanken machen…

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