Programmierter Größenwahn

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LAS VEGAS, NV - AUGUST 25: UFC lightweight champion Conor McGregor poses on the scale during his official weigh-in at T-Mobile Arena on August 25, 2017 in Las Vegas, Nevada. McGregor will meet boxer Floyd Mayweather Jr. in a super welterweight boxing match at T-Mobile Arena on August 26. (Photo by Ethan Miller/Getty Images)
von Peter Angerer (Bild von people.com)

Ich könnte ja sagen „Ich hab’s ja gesagt“. Als ich gestern Abend die Bilder und Videos zu den Vorfällen im Rahmen von UFC 223 sah und die Nachrichten dazu verfolgte, dachte ich mir immer wieder, „jetzt ist es so, wie es kommen musste“. Und um es gleich vorweg zu nehmen: den geringsten Vorwurf mache ich an dieser Stelle dem allseits bekannten irischen Protagonisten Connor McGregor. Er ist meiner Meinung nach nur eine arme Wurst, der dringendst seinen Kopf in Ordnung bringen lassen sollte, von jemandem, der ihm professionell dabei helfen kann.

Bringen wir die Vorkommnisse mal kurz in Stichpunkten auf die Reihe. Zwei Mitarbeiter von „TheMacLife“, welche in der abgesperrten Arena waren, haben Seiteneingänge für einen Pulk von 20-30 Leuten geöffnet (also geplant und abgesprochen), welcher von dem allseits beliebten irischen UFC (Ex) Champion angeführt wurden. Der Pulk und vor allem McGregor selbst attackierten einen Bus mit UFC Kämpfern, indem sie Gegenstände gegen den Bus warfen. Es soll auch zu verschiedenen Handgemengen gekommen sein. Mehrere Mitarbeiter  der UFC und auch mehrere Kämpfer wurden bei dem Zwischenfall verletzt und mussten teils in Krankenhäusern behandelt werden. Drei Kämpfe wurden aufgrund des Zwischenfalls von der Fightcard genommen.

So, das muss man erst mal sacken lassen. Wir reden hier nicht von einer Hinterhof Schlägerei, sondern von einem Zwischenfall mit weltbekannten Athleten bei der unumstritten größten MMA Veranstaltung der Welt. Und kurz darauf gibt es auch schon Videos, in welchen sich Dana White über McGregor auslässt und diesen verurteilt.

Um es ganz klar zu sagen: das Vorgehen und die Taten der Angreifer waren nichts anderes als kriminell und sind moralisch auf das schärfste zu verurteilen. Doch dass gerade ein „Anheizer“, wie Dana White hier den Mund aufmacht, ist schon eine Frechheit. Also der Dana White, der es sichtlich genossen hat, wann immer McGregor als „Rampensau“ mit seiner großen Klappe und Tätlichkeiten für ordentlich Schlagzeilen und Pay-per-view Verkäufe gesorgt hat. Der Dana White, der immer voll des Lobes für McGregor war und alles entschuldigte, was sich der Ire so an Entgleisungen leistete. Klar, jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich, aber ich sehe es schon so, dass man in diesem Fall einen manipulierbaren und willigen Akteur über Jahre hinweg in eine Richtung erzogen hat, dass exakt nur so etwas, wie gestern dabei herauskommen kann.

Jetzt höre ich schon wieder die Erklärungen „das hat das Geld aus ihm gemacht“, „so viel Ruhm hat er nicht verkraftet“ etc. pp blablabla….

McGregor ist ohne Zweifel ein Ausnahme Athlet. Sein Können stellt niemand in Zweifel. Aber sein Verhalten war schlicht gesagt schon immer scheisse und respektlos. Seine Aussagen von Größenwahn durchsetzt, seine Auftritte schlichtweg als normaler gesunder Mensch nicht zu ertragen. Er lies keine Gelegenheit aus, sich wie die offene Hose aufzuführen und wurde dafür von allen bewundert, bejubelt und gelobt. Er hat einen „Lifestyle“ kreiert, sein Verhalten und seine Bewegungen werden von zahllosen jungen MMA Kämpfern imitiert und nachgeahmt. Er ist der Mann, der über dem Gesetz ganz oben an der Spitze steht. Und White und Konsorten haben ihn immer darin bestärkt und bestätigt. Es wurde alles entschuldigt, darüber hinweggesehen oder man hat sich „ausgesprochen“.

MMA wird zur Zirkusnummer und Veranstalter, wie die UFC klatschen hier fleißig Applaus, wenn einer der Protagonisten so auf die Kacke haut, dass gleich 10 besoffene Rednecks mehr ein Ticket für das Event oder einen Pay-per-view kaufen. „Brot und Spiele“, möchte man da anmerken. Hat schon immer funktioniert.

Für McGregor dürfte nach diesem Zwischenfall ganz plötzlich das Ende der Fahnenstange erreicht worden sein. Er hat sich mittlerweile nach kurzer Flucht der Polizei gestellt und wird den zivil- und strafrechtlichen Prozessen entgegen sehen. Millionen haben die Videos gesehen. Ein Rausreden aus dieser Nummer wird da ganz schwer. Und von seinem unglaublichen Vermögen werden sich die Anwälte und Geschädigten reichlich bedienen. Abgesehen von der Tatsache, dass so jemand wohl eher weniger eine Lizenz der Athletic State Commission für die Teilnahme an einem weiteren Kampf erhält. Und während alle auf McGregor herumhacken und ihn zerpflücken kann sich Herr White die Hände reiben, denn dieser Rummel brachte wieder vor allem eins: enorme unbezahlbare Publicity. Die UFC wird mit Sicherheit keinen (finanziellen) Schaden durch diesen Vorfall davontragen, wohl aber McGregor, der nun für seine Taten als Opferlamm zur Schlachtbank geführt werden wird.