Neue Regeln für "Gewichtmachen" bei der UFC

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von Peter Angerer

Es sieht so aus, als wäre man endlich aufgewacht. Die UFC bekämpft ein Monster, welches sie meiner Meinung nach selbst geschaffen hat: den „Weight-Cut“ vor MMA Kämpfen.

Heute wurde bekannt, dass zu UFC 200 eine neue Regel in Kraft treten soll. In der Woche vor dem Kampf darf ein Sportler nicht mehr als 8% über dem vereinbarten Kampfgewicht liegen. Bei einem Federgewichtskämpfer (Limit 65,8 kg) wären das 71,6 kg. Hört sich nach (fast) nichts an, ist aber de facto sehr wenig, wenn man bedenkt, dass einige Athleten bis zu 10 kg oder mehr in der Woche vor dem Kampf heruntermachen, um das geforderte Gewichtslimit bringen zu können.

ONE FC hat bereits im letzten Jahr sehr strenge Regeln für das Gewichtmachen erlassen, nachdem ein chinesischer Kämpfer vor dem Einwiegen an den Folgen eines zu extremen Weight-Cuts gestorben ist. Auch in der UFC platzten Kämpfe, da Sportler das vereinbarte Gewicht nicht bringen konnten oder keine medizinische Freigabe für den Kampf nach dem Weight-Cut erhalten haben.

Mit dem enormen Erfolgsdruck, den man auf die Athleten ausübt, hat man die Entwicklung, dass viele Athleten sich dann eine oder zwei Gewichtsklassen tiefer versuchen, auf die Spur gebracht. Regularien bezüglich des Gewichts in der Woche vor dem Einwiegen, am Kampftag nach dem Einwiegen oder bezüglich Infusionen nach dem Einwiegen gab es viel zu lange nicht.

Ich persönlich kenne Kämpfer, welche mit gut 80 kg oder mehr außerhalb der Vorbereitung herumlaufen, dann aber Kämpfe im Federgewicht -65,8 kg bestreiten. Sieht man sich die Bilder vom Einwiegen an, erschrickt man meist, wie krank und ausgemergelt die Athleten aussehen. Aber bereits einen Tag später sind die Sportler wieder „aufgeladen“ und strotzen geradezu vor Kraft, was in einigen Fällen an zahlreichen Infusionen über die Nacht liegt.

Ein sehr heikles Thema, aber zugegeben ist diese Thematik angesichts des Drucks, der auf die Sportler ausgeübt wird, nicht verwunderlich. Man erinnere sich an Dana White, als er bei TUF gleich zwei Sportler aus dem Haus „wirft“ (in seiner gewohnt charmanten Art), weil die Athleten den Gewichts-Cut nicht gepackt haben.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Thematik „Weight-Cut“ weiterhin entwickelt. Ich persönlich würde eine noch strengere Überwachung des Gewichts vor, während und nach dem Kampf begrüßen, um so extreme gesundheitliche Risiken für die Sportler minimieren zu können. Aber auch ein Wandel in der Szene und bei den Veranstaltern ist notwendig. Der enorme Erfolgsdruck muss von den Sportlern genommen werden. Klar, „nur die Harten kommen in den Garten“, aber es bleiben einfach viel zu viele auf der Strecke und gehen wortwörtlich kaputt daran. Sowohl körperlich, als auch psychisch! Es darf nicht sein, dass den Veranstaltern und auch den Fans die Gesundheit der Sportler egal ist, Hauptsache man sieht geile Kämpfe. Und es wäre meiner Meinung nach fairer, wenn die Athleten in ihrem „fast normalen“ Gewicht gegeneinander antreten.

Was passiert, wenn man sich keine körperlichen Vorteile am Kampftag durch einen extremen Weight-Cut verschaffen kann, sah man zuletzt im Weltergewicht der UFC, als Conor McGregor bereits in Runde 2 echt nicht mehr gut aussah und kurz darauf in einer Submission von Nate Diaz abklopfen musste. Man muss sich vor Augen halten, dass McGregor zu diesem Kampf mit knapp 77 kg eingewogen wurde, also 11 kg über dem Limit der Klasse, in welcher er den UFC Titel hält.

Das Argument „aber das macht doch jeder, also ist wieder eine Chancengleichheit da“ zieht meiner Meinung nach überhaupt nicht. Abgesehen von der Ignoranz gegenüber der Gesundheit der Sportler bringt dieses vermeintliche Argument nur eines zu Tage: die „Nicht-Chancengleichheit“ für Sportler, welche sich gegen eine derartige körperliche und psychische Tortur wehren wollen, aber nicht können. Nur mal zur Info: ab einem Verlust von 10% des Körpergewichts durch Dehydration ist der Betroffene in einem akut gesundheitsschädigendem Zustand. Komplikationen und schwere gesundheitliche Schäden – oder gar der Tod – können jederzeit eintreten.

Nur damit wir „geile Fights“ sehen….

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