Nachbetrachtung des DGL Finales

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von Peter Angerer

Seit drei Jahren darf ich ein Teil der DGL sein. Vom ersten Tag an habe ich miterlebt, wie aus dem Baby ein Kleinkind wird, aus dem Kleinkind ein Teenager… Und gestern war plötzlich schon Abitur! Die Entwicklung der DGL geschieht aus meinem Empfinden heraus in Zeitraffer. Da gibt es keinen Stillstand, oder gar Rückschritte; bei der DGL geht es ständig mit Vollgas nach vorne. Genauso, wie es der Grapplingsport in Deutschland braucht, um endlich den Stellenwert zu erreichen, den er verdient. Dabei hat die DGL in den vergangenen drei Jahren wichtige Freunde, Partner und Sponsoren gewinnen können, welche diese Entwicklung enorm voran treiben und unterstützen. Allen voran sei hier einmal wieder Ground and Pound genannt, die quasi von der Geburt bis zum Abitur jetzt schon das Kind DGL behüten, unterstützen und immer wieder vorbildlich supporten.

Seinen Höhepunkt hatte diese „Zeitraffer Entwicklung“ gestern durch das dritte Finale der DGL. Schon als ich die Halle am Morgen sah, wusste ich, dass das etwas ganz besonderes wird. Dank der Man-Power und der vorbildlichen Ausrichtung durch den KSV Witten 07 wurde das Finale der Saison 2012 zu einem Spektakel, das ich im Grapplingsport so noch nie gesehen habe. Berichterstattung durch das Fernsehen und die Lokalpresse, große Videoleinwände, Kampfmoderation durch den Ringsprecher, VIP Tribünen und und und. Man hatte das Gefühl, dass man auf einer Weltmeisterschaft ist und ich möchte an dieser Stelle nochmals den Verantwortlichen des Ausrichters KSV Witten 07 für die Gastfreundschaft und die hervorragende und vorbildliche Arbeit gestern danken.

Doch nun zu dem Herzblut der DGL: die Sportler! Was war das für ein Aufmarsch an hochmotivierten und top vorbereiteten Grapplern gestern in Witten? Einfach sensationell, wie sich die Teams präsentierten. Allen voran der neue Champion Taifun Luta Livre Düsseldorf von Trainer Armin Eslami. Die Taifune haben wortwörtlich alles hinweg gefegt, was sich ihnen in diesem Jahr in den Weg zum Finalsieg gestellt hat. Der erste, der das spüren durfte, war Titelverteidiger Mogons Mainz. Ich hatte die Mainzer als Favorit auf meiner Liste, wusste aber, dass das Viertelfinale gegen die Taifune wahrscheinlich schon die Vorentscheidung wird, wer sich in diesem Jahr den Titel holt. Und da zeigten die Taifune gleich, wo der Hammer hängt. Mit 18:4 wurden die Mainzer regelrecht abgewatscht. Das saß! Mein Herz hat geblutet, als ich die Mogons untergehen sah, aber gleichzeitig war mir dann klar, dass die Taifune mit Sicherheit Deutscher Meister werden. Wenn sie an den Münchnern im Halbfinale einigermaßen unbeschadet vorbei kommen würden…

Denn die Grapplekinx aus der bayerischen Landeshauptstadt präsentierten sich in abartiger Form. Mit genau sieben Mann reisten sie an. Kein Ersatz, kein Austausch. Sieben Samurai! Einfach krass, was die Grapplekinx in ihrem ersten Saisonfinale da abzogen. Die Ruhrpott Lutadores bekamen das schnell zu schmecken und wurden mit 20:13 deutlich geschlagen. Damit haben die Münchner ein klares Statement abgegeben.

Im Halbfinale dann die Schlacht gegen die Taifune! Und ganz ehrlich: hier haben sich Armins Männer am schwersten getan. Mit nur einem Punkt Vorsprung schaffen die Taifune den Einzug ins Finale und besiegen die Grapplekinx. Hier muss ich aber nochmals ALLEN Münchnern meinen Respekt und meine Anerkennung zollen!

Aber auch die Stuttgarter Muchachos zeigten, dass der Süden rockt! Wieder mal waren drei von vier Halbfinalisten aus dem Süden und wieder waren die Muchachos mit dabei! Zum dritten Mal. Es ist schon unglaublich, wenn man sieht, dass ein Team es jedes Jahr unter die Top 4 schafft. Als einzige Mannschaft in Deutschland. Damit ist eigentlich genug gesagt. Die Männer von Michael Hockenjos stellen einfach das stabilste Team in der ganzen DGL. Immer dabei, immer top aufgestellt, immer stark, immer gut trainiert… Und aus diesem Grund auch immer ganz vorne mit dabei. Mit Siegen über Panterei Aachen, die im Vorfeld als der Geheimtipp gehandelt wurden, und die starke Southside Connection von Gregor Herb und Peter Sobotta, zogen die Sombreroträger aus Stuttgart zum dritten Mal in das Finale der DGL ein. Damit hat das Team meiner Meinung nach schon gezeigt, dass sie eigentlich die Nr. 1 in Deutschland sind. Denn das muss man erst mal schaffen!

Aber die Taifune waren gestern einfach im dritten Duell des Tages einfach zu stark für die Muchachos. Nach dem Sieg von Malte Janssen war es bereits vorzeitig klar, dass Taifun Luta Livre Düsseldorf Deutscher Meister der Saison 2012 ist. Das komplette Team und die Zuschauer stürmten die Matte und zeigten, dass sie mit Herzblut dabei sind! Sehr emotionale und bewegende Momente in der Husemannhalle bei diesem Finale und meine Meinung nach dem Viertelfinalsieg gegen die Mainzer Mogons hat sich bestätigt. Mit einem Endstand von 16:13 holen sich die Taifune den Pott in diesem Jahr und haben bewiesen, dass die Jungs von Armin Eslami das Herz am rechten Fleck haben und die besten Grappler in dieser Saison der DGL sind.

Ich war fast schon wie angeknockt nach diesem beeindruckenden, emotionalen und sehr interessanten Finaltag der DGL. DAS hätte ich wirklich nicht erwartet. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass das Kind schon fast mit dem Studium fertig ist…

Ich freue mich jetzt schon riesig auf das nächste Jahr und möchte an dieser Stelle Franco de Leonardis und Daniel Ackerman danken. Ihr habt das alles ermöglicht, das Kind zur Welt gebracht und aufgezogen… Ihr könnt stolz sein!