Mindset of a Fighter, Part 4

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Von Peter Angerer

Wir wissen nun also, dass unsere eigenen Ängste unser größter Feind bei einem Kampf sind. Wir haben gelernt, dass wir auf die vielen Fragen in unserem Kopf vor dem Kampf am besten mit einer Gegenfrage antworten und wir dadurch unser Potenzial abrufen. Und es ist wichtig, dass wir unsere eigenen Empfindungen und Ängste nicht verleugnen und die Zeichen unseres Gegners richtig deuten.

Wir programmieren uns langsam aber sicher auf Erfolg. Und verstehen jetzt in diesem Zusammenhang, dass es gar nicht der Gegner ist, gegen den wir kämpfen, sondern dass es ein Kampf mit und gegen uns selbst ist. Wir messen uns an uns selbst. Wir wollen morgen besser sein, als heute. Mit dieser Erkenntnis können wir nun den wichtigsten Schritt machen und gezielt anfangen an unserer mentalen Stärke zu arbeiten.

Bewusst Sein

Ja, man muss sich als Kämpfer zunächst einmal über viele Dinge „bewusst sein“. Wie oft man trainiert. Wie ausgewogen das Training ist (oder eben nicht). Gibt es genügend Belastungs-, aber auch ausreichend Erholungsphasen? Bin ich mir über solche Punkte nicht bewusst, dann füttere ich nur die Fragen- und Verrücktmachmaschine in meinem Kopf. Wenn ich weiß, dass ich gut vorbereitet bin, wenn ich überzeugt bin, dass nicht mehr gegangen wäre, dann bin ich mir bewusst, dass ich alles in der Vorbereitung getan habe, um fit und stark anzutreten. Nur so kann ich meine beste Leistung abrufen.

Kondition ist hier meiner Meinung nach ein wichtiger Schlüssel  um auch mental an sich zu arbeiten. Frank Stäblein hat mir in meiner Vorbereitung zu meinem letzten Profikampf sehr geholfen, da er für mein Konditions- und Krafttraining zuständig war. Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich in der Vorbereitung dem Tod näher war, als dem Leben. Und wie sehr ich ihn gehasst habe. Jedes Training mit ihm war eine Qual und eine regelrechte Schinderei. Eine Woche vor dem Kampf hat er mich an die absolute Grenze zur totalen Erschöpfung getrieben. So weit, dass ich sogar zum Kotzen zu schwach war. Bis mir bewusst wurde, dass ich an MEINE Grenzen gestoßen bin und nicht an die, meines Gegners. Es wurde mir bewusst, dass ICH konditionell so stark bin, dass ich jederzeit im Kampf das Tempo bestimmen kann und dadurch eine wichtige Schlüsselposition im Kampf kontrolliere.  Die Auseinandersetzung mit mir und meiner Schwäche im Konditionstraining und das Bewusst Sein über das Ergebnis und dessen Folgen hat mir unglaublichen Stärke und Ruhe im Kampf gegen Takeuchi gegeben.

Aber auch die technische Komponente muss einem bewusst werden. Egal, ob im Stand oder am Boden. Wer sein Zeug macht und kann, der sollte das auch wissen. Und vor allem sollte er sich passend auf seinen Gegner vorbereiten. Etwas, was ich immer ganz gerne mache ist es, die Stärke des Gegners herauszupicken und genau diese beste Sache von ihm einfach kaputt zu machen. Bei Takeuchi war es die Guard, aus der er die meisten Finishs hatte und gefährliche Submissions startete. Also habe ich mich nicht um die Submissions oder Guardpasses gekümmert, sondern einfach darum, wie ich in seiner Guard bin und dabei die Guard kaputt mache. Es ist doch klar, dass ein Kämpfer darauf hinarbeitet, dass er seinen Gegner in seine „Zone“ bekommt, also die Position oder ein bestimmter Moment, wo er die meisten Kämpfe für sich entscheidet und er sich wohl und sicher fühlt. Und wenn er dann in dieser „Zone“ ankommt und NICHTS funktioniert und er sich weder wohl noch sicher fühlt, dann nehme ich ihm ein großes Stück Kontrolle und Selbstbewusstsein im Kampf ab. Das hat in meinem Kampf fantastisch funktioniert und resultierte dann in seiner ersten vorzeitigen Niederlage.

Werdet Euch also BEWUSST über Euer Training, Eure Stärken und Schwächen und arbeitet täglich daran.