Mindset of a Fighter, Part 3

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Von Peter Angerer

Kämpfer sind Meister im Verleugnen. Die Realität wird gebogen, bis sie für einen passt. Hört sich zu krass an? Na, wie wäre es mit der Frage an den Kämpfer vor dem Kampf „Hast Du Angst?“. Meine Erfahrung zeigt mir, dass die meisten Kämpfer diese wichtige Empfindung verleugnen oder einfach komplett ignorieren. Oder fragt den Kämpfer doch mal „Freust Du Dich auf den Kampf in 5 Minuten?“. Da kommt dann meist ein gepresstes „Ja“ mit dem Blick, den man hat, wenn man seine Ex mit ihrem Neuen trifft.

Ok, alles halb so wild, solange wir wissen und verstehen, was da vor sich geht und warum das so ist. Schon mal einen Gegner gesehen, der sich vor dem Kampf wie ein wildes Tier aufführt? Der schreit, sich aufpumpt und vor Aggression kaum noch stehen kann? Der im Kampf dann abgeht wie eine Stukka? Stellen wir uns doch mal die Frage, warum will uns ein Gegner beeindrucken? Warum dieses Getue und Gehabe? Na, weil er uns beeindrucken will. Er will, dass wir Angst bekommen. Er beabsichtigt sich über uns zu stellen. Jetzt stellen wir uns noch die Frage „Und warum tut er das?“. Oder ich stelle eine andere Frage: „Hat Fedor Emilianenko sich jemals so verhalten? Warum nicht?“

Gegner wollen uns imponieren und beeindrucken, weil sie Angst haben.

Es gibt keinen anderen Grund für dieses Verhalten. Wenn ich weiß, dass ich stärker bin, wenn ich weiß, dass ich überlegen bin, warum sollte ich dann meinen Gegner beeindrucken wollen? Unser Gegenüber verleugnet also seine eigenen Gefühle (in diesem Fall Angst) und versucht diese auf uns zu übertragen. Seine Körpersprache wird aggressiv, sein Unterbewusstsein denkt, er ist es und man versucht mit aller Kraft die eigenen Empfindungen zu verleugnen, bei sich ins Gegenteil umzukehren und seine Ängste auf den Gegner zu übertragen. Hört sich kompliziert an? Ist es auch. Weil es für den Menschen wahrscheinlich keinen größeren Stress gibt, als in den Kampf zu ziehen. Da dreht der Kopf durch und um damit klar zu kommen, biegt man sich einfach alles so hin, wie man es braucht. Realität ade!

Oder man kann damit anfangen, das einfach zu verstehen und zu lernen damit umzugehen.

Zunächst einmal: Angst zu haben ist wichtig! Es ist ein Überlebensinstinkt des Menschen und wer diesen nicht empfinden kann ist psychisch gestört. Es ist vollkommen in Ordnung als Kämpfer Angst zu haben. Angst setzt uns unter Stress und wir funktionieren unter Stress (für kurze Zeit) besser. Vor allem für einen Kampf. Der Körper schüttet Adrenalin aus und bereitet sich auf den Kampf vor. Man rülpst und furzt beim Aufwärmen, muss öfter auf die Toilette und fragt sich schon, ob man krank ist. Nein, der Körper macht sich leer. Wenn man bedenkt, dass die Verdauung 60% der Körperenergie beanspruchen kann, dann ist es nur verständlich, dass unser Körper leer sein und alles loswerden will, wenn er weiß, dass er nachher 100% leistungsfähig sein muss. Genauso kann es sein, dass man die ganze Zeit müde ist und immer schlafen will. Oder dass sich die Arme und Beine schwer anfühlen und man gar nicht so recht in die Gänge kommt. Und nach 5 Minuten an der Pratze ist man außer Puste und fragt sich, wie man nachher den Kampf durchstehen soll.

Verleugnet nicht diese Symptome. Realisiert sie und deutet sie richtig. Genauso, wie das aggressive Verhalten Eures Gegners. Dann weiß man, dass bei einem alles in Ordnung ist und der Gegner auch Angst hat. Er geht einfach anders um damit, als wir. Wir konzentrieren uns darauf die Frage zu beantworten „Was muss ich machen, um den Kampf zu gewinnen?“ während er noch mehr mit seiner Psyche als mit uns beschäftigt ist.

Regel 3: Nehme die Realität und das „Hier und Jetzt“ ganz bewusst war, ordne es richtig ein und biete keine Reflektion für die Emotionen Deines Gegners.