Mindset of a Fighter, Part 2

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Kakutogi - Fighting Network
Von Peter Angerer

Was bedeutet eine Niederlage für einen Kämpfer? Wie geht man mit dem Scheitern um? Was kommt danach? Fragen, die sich kein Kämpfer gerne stellt, denn man hat das „Bild“ einer Niederlage in diesem Moment vor sich. Bilder, die man gerne ausblendet, ignoriert oder verleugnet. Aber warum eigentlich?  Was ist es, was uns das Verlieren so unangenehm macht? Wenn man sich über diese Frage im Klaren ist, dann kann man auch daran arbeiten, sich mental auf Erfolg zu programmieren.

Ein Schachspieler würde niemals auf die Idee kommen zu erwarten, dass er kein Spiel verliert. Würde er mit dieser Erwartung an sich in ein Spiel gehen, wäre er zu sehr mit dem Gedanken „gewinnen zu müssen“ beschäftigt. Er könnte nicht frei spielen, seine Konzentration und seine Energie auf das fokussieren, was wirklich wichtig ist: JETZT spielen. Und auch eine Fußballmannschaft würde niemals in eine Saison starten mit dem Druck, keine Niederlage kassieren zu dürfen. Das ist es aber, was vor allem viele MMA Kämpfer täglich praktizieren. Man braucht einen tadellosen Kampfrekord bei Sherdog, eine möglichst hohe „Winning Streak“ und bestenfalls zwei oder drei gute Namen im Rekord, damit man in die UFC oder zu sonst einer großen Liga kommt.

Ich sage es an dieser Stelle ganz klar: bei einer Niederlage gibt es nichts, für was man sich entschuldigen muss. Man hat gekämpft. Der Andere hat gewonnen. So ist das in 100% der Kämpfen für grob die Hälfte der Leute so. Anstatt die Lösung des Problems anzugehen, hat sich eine Kultur des „Entschuldigens“, „Teamwechsels“ und der „Rücktritte“ breit gemacht. Würde man nach dem ersten Hinfallen als Kind sagen „Ok, ich hab‘s mit dem Gehen versucht, aber das ist wohl nichts für mich. Entschuldigung!“ würden wahrscheinlich alle erst Mal dumm schauen. Ist vollkommen unlogisch und nicht nachzuvollziehen. Warum soll es dann beim MMA, BJJ oder Kickboxen anders sein?

Die meisten Kämpfer haben nicht Angst davor zu verlieren, sondern sie fürchten sich davor, was wohl die ANDEREN jetzt von ihnen denken. Ob man über sie lacht, sie nicht mehr Ernst nimmt etc pp. Während man ganz gut damit klar kommt, dass man unterlegen ist, ist es ein echtes Problem, wie das Umfeld auf einen reagiert. Und auch das passiert meist nur in unserem Kopf. Man redet sich ein, dass die Menschen von einem enttäuscht sein müssen. Man ist überzeugt davon, dass einen die Anderen für einen Verlierer halten.

Ich habe Neuigkeiten für Euch: was andere von Euch halten macht Euch nicht besser oder schlechter. Ihr werdet dadurch nicht stärker oder schwächer. Es ist vollkommen unerheblich, was Leute von einem denken, die das, was man gerade gemacht hat, selbst nicht machen würden, wollen oder können. Wenn man sich von der Angst, was andere von einem denken, befreit und zusätzlich noch den Druck von den Schultern nimmt, jeden Kampf gewinnen zu müssen, dann geht man mit voller Power und ohne Ablenkungen an die eigentliche Sache heran: besser werden! Es hat nicht gereicht? Gut, dann muss man an seinen Schwächen arbeiten. Man ist stark aber hat eine schwache Taktik? Das wäre der richtige Zeitpunkt Rat bei erfahrenen Trainern und Coaches zu suchen, anstatt selbst „das Rad neu zu erfinden“.

Scheitern ist also die Möglichkeit Schwachstellen zu erkennen und gezielt daran zu arbeiten. Wer also gute Gegner kämpft und auch mal die etwas härteren Nummern wählt, der hat vielleicht nicht den besten Kampfrekord, aber er wird mit Sicherheit – wenn er dies alles berücksichtigt – am meisten lernen und sich am besten entwickeln. Man kann mit der besten Leistung seines Lebens einen Kampf verlieren und mit einer mittelmäßigen oder schlechten Leistung einen Kampf gewinnen. Das Ergebnis eines Kampfes sagt nicht zwangsläufig etwas über die persönliche Leistung eines Kämpfers aus, und genau diese gilt es aber ständig zu verbessern.

Regel 2: Kämpfen bedeutet nicht automatisch „gewinnen“, sondern in erster Linie „lernen“. Mach Dich frei von den Ängsten über Niederlagen und öffne Deinen Geist für die Herausforderung des Lernens, dann wirst Du erfolgreicher sein.

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