Mindset of a Fighter, Part 1

433
Kakutogi - Fighting Network
von Peter Angerer

Jeder Kämpfer kennt es: das mulmige Gefühl in der Magengegend. Die hellwache Nervosität in der Kabine. Den Gedanken „Was ist, wenn…?“. In fast 40 Jahren als Wettkämpfer habe ich das so oft erlebt und immer gedacht, es wird irgendwann besser. Wird es nicht. Man bleibt nervös, man hat Angst vor dem Kämpfen, man stellt sich immer die gleichen Fragen, jedes Mal auf’s Neue. Das Einzige, das sich im Lauf der Jahre ändert, ist die Art und Weise, wie man mit all dem umgeht. Und vielleicht fängt der Eine oder Andere sogar an, diesen ganzen Kopfzirkus für sich im Wettkampf zu nutzen.

Nein! Kommt mir jetzt nicht mit den „Psychospielchen“ von dem irren Iren. Es hat nichts damit zu tun, was man mit dem anderen macht. Vielmehr geht es darum, was man mit sich macht und wie man das, was man macht, steuert.

Ich kann mir vorstellen, dass die meisten Leser sich jetzt schon fragen, auf was ich eigentlich hinaus will. Die Antwort ist so klar und simple, wie nur irgend möglich:

„Was muss ich machen, um den Kampf zu gewinnen?“

Ach ja, ich habe mit einer Frage auf eine Frage geantwortet. Das ist übrigens etwas, das man sich als Kämpfer gerne angewöhnen darf. Denn jeder Kämpfer weiß, wieviele Fragen er sich immer wieder in der Vorbereitung und kurz vor dem Kampf stellt. Da werden echte Horror Szenarien in den Kopf projiziert und die Fragen nagen an der Psyche. Vielleicht wird es deutlicher, auf was ich hinaus will, wenn ich es anhand von einem Beispiel erkläre:

„Ich bin in der Umkleidekabine, habe mich warm gemacht, versuche mich auf den Kampf zu konzentrieren und immer wieder kommen mir diese Fragen in den Kopf. Was ist, wenn ich den Kampf „verpenne“ und zu zaghaft starte? Und was, wenn ich überpace und viel zu hastig ran gehe? Wird meine Kondition stand halten? Was, wenn ich zu Boden in die Unterlage gebracht werde?“

All diese Fragen können einen Kämpfer wirklich verrückt machen. Und alle diese Fragen haben eines gemeinsam: sie fürchten sich vor dem Ausgang des Kampfes. Sie beschäftigen sich weniger mit der aktuellen Situation, sondern sehen die Situation in Zusammenhang mit dem Ausgang des Kampfes.  Und bestimmen diesen vor. Wir prophezeien uns den Ausgang des Kampfes mit der Situation, welche wir uns ausmalen. Die Fragen, die wir uns stellen, sind also nur die in Situationen gekleidete Angst von uns, den Kampf zu verlieren. Klar, jeder will gewinnen. Aber wie kann ich da dagegen arbeiten?

Eben mit dieser Frage „Was muss ich machen, um den Kampf zu gewinnen?“. Diese Frage ist die Antwort auf alle Fragen. Denn jeder Kämpfer verfügt über einen Erfahrungsschatz, welcher es ihm erlaubt, so ziemlich jede Situation zu „beantworten“. Man kommt nur nicht zum Antworten, weil man Angst vor dem Ergebnis des Kampfes hat. Wenn man das aber macht, fällt vieles ganz leicht. Ich lasse mich also nicht von den Fragen in meinem Kopf überwältigen, sondern nutze jede einzelne Frage, um mit der Gegenfrage zu antworten. Und diese Gegenfrage bringt mich auf den Lösungsweg.

„Was, wenn ich zu Boden in die Unterlage gebracht werde?“

„Was muss ich machen, um den Kampf zu gewinnen?“

„Sicherheit herstellen, nach Möglichkeit sofort scramblen und wieder nach oben kommen, wenn ich das nicht schaffe, dann Guard oder Halfguard holen und sweepen!“

Genau in diesem Moment, wenn der Kämpfer sich selbst auf die Gegenfrage antwortet, beginnt er damit sich selbst Lösungen zu präsentieren. Er greift auf seinen Erfahrungsschatz zurück und erinnert sich an ähnliche Situationen im Training, als er diese Situation gelöst hat. Er konzentriert sich statt auf ein mögliches Horror Szenario auf die Lösung und sein eigenes Können. Die Notwendigkeit eines konsequenten Handelns wird ihm bewusst und führt dazu, dass er die ihm gestellten Aufgaben löst, anstatt sich schon im Vorfeld damit den Kopf kaputt zu machen.

Regel 1: Immer mit der Frage „Was muss ich machen, um den Kampf zu gewinnen?“ auf eventuelle Fragen im Kopf antworten und sofort mit der Umsetzung der Antworten beginnen.

Kakutogi - Fighting Network