von Peter Angerer

shihanpeterMMA boomt! BJJ verbreitet sich über Deutschland wie eine Epedemie! Unser Sport wächst und gedeiht?! Was die Zahlen der Aktiven angeht, auf jeden Fall. Und wir haben ja auch genügend qualifizierte und erfahrene Trainer und Coaches!? Oder etwa nicht? Ich persönlich sehe da sehr große Defizite in Deutschland. Defizite, welche über martialische T-Shirts, bunte Patches und markige Teamnamen zu kompensiert versucht werden. Doch wenn man mal die “Verpackung” weglässt und sich genau anschaut, was aus dieser Mogelpackung herauskommt, ist man oft erstaunt oder gar schockiert. Kampf- und Kriegskünste benötigen mehrere Faktoren um sich zu verbreiten und weiter zu entwickeln. Konkurrenz, Wettbewerb, Wissen und vor allem: Zeit! Und genau das ist es, was wir gerade nicht haben. Während es immer mehr Konkurrenz gibt und genügend Wettbewerbe da sind, um sich gegen diese Konkurrenz zu messen und zu behaupten, mangelt es doch zum großen Teil an Wissen und vor allem an Zeit.

Ich erinnere mich noch gerne an die “gute alte Zeit” zu Beginn der 90er Jahre zurück, als man für ein bisschen Wissen enorm viel Zeit opfern und aufbringen musste. Das bisschen Wissen, welches man sich mühsam aneignete, hatte in den wenigen Wettkämpfen auch genügend Möglichkeiten sich zu bewahrheiten, auf die Probe gestellt zu werden und vor allem sich auch weiter zu entwickeln. Mit einem unverhältnismäßigen Anstieg an Schulen und Aktiven in der jetzigen Zeit fragt man sich: “Gibt es wirklich so viele gute Lehrer, die ihr Wissen teilen wollen und können?” Die Antwort ist leider “Nein!”. Youtube, Lehrvideos, das Internet und einige Seminare sind die Quelle von 90% des “Wissens” von heute im MMA und BJJ in Deutschland. Natürlich gibt es wirklich gute Lehrer, außerordentlich begnadete Trainer und hochqualifizierte und dekorierte Coaches. Aber eben nur für vielleicht 10% der Aktiven in Deutschland. Was ist mit den restlichen 90%?

Ich habe mich lange mit der sich stellenden Problematik auseinandergesetzt. Eigentlich könnte es mir doch egal sein, wer wie gut ist!? Eben nicht! Es ist mir nicht egal! Und das aus keinem uneigennützigen edlen Grund heraus, sondern einzig und alleine aus dem Grundgedanken, dass sich meine Schüler auch nur weiterentwickeln können, wenn sie eine starke Konkurrenz haben. Wenn sie in Kämpfen an ihre Grenzen geführt werden und die eigenen Fehler vor die Augen geführt bekommen. Und nach über 30 Jahren im Vollkontakt Kampfsport mache auch ich Fehler, weiß Dinge nicht oder sehe manche Sachen aus dem falschen Winkel. Nur über den Wettkampf gegen starke Leute kann man diese Fehler erkennen, mangelndes Wissen erweitern und die richtige Sichtweise bekommen. Allerdings nur, wenn man auf starke Konkurrenz trifft.

Ganz eigennützig sage ich da: “Ich teile mein Wissen gerne!”. Ich möchte gute Schulen und noch viel bessere Kämpfer in ganz Deutschland sehen. Dann sind auch meine Schüler gezwungen und in der Lage besser zu werden. Aus diesem Grund biete ich zusammen mit einigen der namhaftesten Referenten in ganz Europa eine Ausbildung zum Shooto Trainer an. Wie in einem Studium über drei Semester wird der angehende Trainer geschult, bekommt Wissen und oft auch spezielles Fachwissen angetragen, für welches wir vor 15 Jahren noch jahrelang kämpfen mussten. Ich will das Niveau der Schulen und Teams in Deutschland heben. Ich möchte qualifizierte Trainer, Betreuer und Kampfrichter auf jedem Event sehen. Dieser Schritt garantiert uns eine Weiterentwicklung, ein Wachsen und ein gesundes Gedeihen. Wir verschaffen den Trainern von heute das notwendige Wissen und geben unsere – in jahrelangen, mühsamen Selbstversuchen erkämpfte Erfahrung – im Zeitraffer wieder, um die Balance in unserem Land wieder herzustellen. Jeder, der mich bei diesem Unterfangen unterstützen möchte, ist jederzeit herzlich willkommen.

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