Japan Blog Teil 3 "Fight for Peace 4"

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von Peter Angerer

japanfightIch glaube, mir ist es noch nie so schwer gefallen, einen Artikel zu schreiben. Die richtigen Worte zu finden. Sich angemessen auszudrücken, ohne zu emotional zu sein. Heute musste und durfte ich wieder eine wichtige Lektion als Kämpfer lernen. „Babo“ hat mich heute bei unserem Fight in der Korakuen Hall in Tokyo nach Punkten geschlagen. Die Niederlage tut weh, hinterlässt Enttäuschung bei mir über meine eigene persönliche Leistung und bringt mich zurück an den Punkt, an dem ich war, als ich mit dem Kampfsport angefangen habe. Ich kann mir vorstellen, dass sich das alles gerade etwas verwirrend anhört, aber jedes Wort ist so gemeint, wie ich es gerade schreibe. „Babo“ hat mir heute gezeigt, wie hart Kämpfen sein kann. Ich hab ganz schön gekriegt von ihm. „Nach Punkten“ hört sich immer so knapp und nichtssagend an, aber der Nachkomme von Kublai Khan ist heute über mich gekommen, als hätte er die ganze mongolische Horde dabei.

Nach einem kurzen Abtasten in Runde 1 legte er gleich gut los und verstand es, meine Distanz gut mit seinen Kicks und starken Boxkombinationen zu stören. Ich fühlte mich in keiner Distanz so richtig wohl und hatte ständig gegen Druck von ihm zu kämpfen. Der ist wirklich marschiert, als ob es morgen verboten werden würde. In Runde 1 brachte er mich einmal gut zu Boden, holte sich die Mount und legte mit hartem Ground and Pound los. „Aha“, dachte ich mir. Das sind also die „Special Rules“ in unserem Match. Gut, in der zweiten Runde ab in den Clinch, Takedown und Mount und dann mit gleicher Münze zurück. Unser eigentliches Kickbox Match entwickelte sich schnell zu einem echten MMA Fight mit Boxhandschuhen. Ich holte mir noch einmal den Rücken in der Runde und bekam einmal einen Sidechoke, der aber vom Kampfleiter unterbrochen wurde. Wieder hoch und weiter! Babo gab richtig Gas und seine Dauerfeuer-Kicks haben mir ganz schön zu schaffen gemacht. In der dritten Runde dann nochmal einen Beinhebel bis zur Unterbrechung geholt, aber Babo war immer dominant und gefährlich. Unterm Strich hat er mir richtig gezeigt, warum die Mongolen früher fast die ganze bekannte Welt erobert hatten. DAS war eine Ringschlacht und die hat ihre deutlichen Spuren hinterlassen.

Das Urteil war mir klar und ich freute mich! Ich freute mich für Babo, der mir in diesem einen Kampf mehr beigebracht hat, als ich in den letzten Jahren lernen konnte. Timing, Distanz, Tempowechsel, der Mann hat einfach alles drauf. Ich war auch überglücklich, dass ich den Kampf überstehen konnte, ohne dabei in Japan den Ringboden zu küssen. Und trotzdem tut es weh. Die Niederlage schmerzt. Brennt in mir. Genährt von der Enttäuschung über mich selbst hat dieses Feuer genügend Stoff, um weiter zu brennen. Und das ist gut so! Das bringt mich an den Ursprung zurück, warum ich mit dem Kampfsport angefangen habe. Ich wollte lernen zu kämpfen. Das habe ich heute getan. Und erkannt, dass ich nach über 32 Jahren im Kampfsport noch viel zu lernen habe. Und werde! Ich werde härter trainieren, stärker werden, mehr lernen und immer weiter an mir arbeiten.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei meinen Jungs vom German Top Team und meinen Freunden von der Suum Cuique Mainz bedanken. Ihr habt mir in der Vorbereitung geholfen und ich hoffe, ich habe Euch nicht zu sehr enttäuscht. Vor allem aber möchte ich mich bei Kristin und Bruno bedanken. Ohne diese beiden hätte ich das heute nicht geschafft! Domo arigato gozaimashita!!!

Jetzt erst mal eine Nacht drüber schlafen und mich auf Morgen freuen. Denn der morgige Tag hält einige tolle Erlebnisse für mich parat, von denen ich Euch morgen vor unserer Heimreise noch berichten werde.

Bilder von dem heutigen Tag gibt es wieder in unserem Photo Blog auf der Facebook Seite von YAMATO. Wir freuen uns über jeden „Like“ und jeden Kommentar.

Gute Nacht!