von Peter Angerer

peterAm 14. Februar wurde ich ausgeknockt! Dr. Mauch von der Sportklinik Stuttgart schickte mich auf die Bretter. Kurz. Trocken. Ansatzlos. Die Diagnose von ihm traf mich wie ein Blitz und ich wäre in diesem Moment am liebsten gestorben. In nur 10 Minuten machte er meine derzeitige Welt kaputt. Ohne, dass er etwas dafür kann. Er hat mir nur gesagt, dass ich nicht mehr kämpfen kann. Zumindest nicht so, wie ich es gerne hätte. Ich hatte mir vor eineinhalb Jahren in München bei einem Seminar das linke Schultereckgelenk gesprengt. Ich hatte mich damals gegen eine OP entschieden und in monatelanger harter Arbeit die Schulter wieder auftrainiert. Im Grappling lief eigentlich danach auch wieder alles gut und ich dachte, ich hätte es wirklich gut überstanden.

In meiner Vorbereitung auf die All Japan Open im letzten Jahr meldete sich meine Schulter dann immer öfters “zu Wort”. Massagen, Physiotherapie und viel Gymnastik hielten meine Probleme damals im erträglichen Rahmen und die Schulter hielt auch bei den Kämpfen. Mit einem dritten Platz holte ich mir meinen bis dato größten Erfolg in Japan und wieder dachte ich: “Geht doch!”. Doch in der Vorbereitung zu meinem Kickboxkampf in Japan im Januar merkte ich schnell, dass alles doch nicht so toll ist, wie gehofft. Immer öfters musste ich das Training abbrechen, da ich den linken Arm fast nicht mehr bewegen konnte und ziemliche Schmerzen hatte. Ich ging zum Sportarzt und zum Orthopäden und hoffte, dass man das irgendwie wegspritzen könnte. Schon vor meinem Kampf in Japan vereinbarte ich dann einen Termin in der Sportklinik Stuttgart, um nach dem Fight in Japan danach schauen zu lassen.

Am Valentinstag dann das besondere Geschenk: eine vernichtende Diagnose. Ich habe eine chronische Luxation in der linken Schulter im Eckgelenk, was nichts anderes heißt, als das mein Schlüsselbein nicht mehr im Gelenk steht. Durch die Belastung einer Vorbereitung entzündet sich dann die Schulter und damit kommen dann die Schmerzen und Probleme. Eine OP wäre ziemlich kompliziert und würde mich für fast ein Jahr komplett aus dem Sport nehmen. Als Betreiber einer Kampfsportschule nicht gerade die optimale Wahl. Nachdem ich den ersten Schlag verdaut hatte, sprach ich am folgenden Tag noch mit Thorsten Kronz, der mir in der Vorbereitung zu meinem Kampf gegen Jörg Lothmann helfen sollte. Nach diesem Gespräch musste ich der Wahrheit ins Auge sehen und feststellen, dass ich nicht kämpfen kann.

Ich habe umgehend Ben Helm darüber informiert und mit ihm vereinbart, dass ich vorerst Stillschweigen darüber behalte, damit man Zeit hat einen passenden Ersatzgegner zu finden. Ich bin froh, dass mit Sebastian Baron ein mehr als würdiger – wenn nicht gar besserer – Ersatz gefunden wurde und der Kampf zwischen ihm und Jörg Lothmann nun steht.

Ich bedauere zutiefst, dass ich den Kampf gegen “Marshmallow” nicht machen kann. So, wie es derzeit aussieht, war mein Fight im Januar in Tokyo wohl der letzte meiner Laufbahn. Zwar werde ich hoffentlich noch ein bisschen grappeln können und da auf der Matte rumturnen, aber mit professionellen Kämpfen im MMA oder Kickboxen dürfte es wohl vorbei sein.

Ich wünsche Jörg Lothmann und Sebastian Baron einen tollen und fairen Kampf und bin mir sicher, dass die beiden mit Sicherheit die Zuschauer begeistern werden. Ich möchte mich bei all meinen Freunden, Trainingskameraden und Trainern für den Ausfall entschuldigen und kann nur versichern, dass es niemandem mehr leid tut, dass dieser Kampf nicht stattfindet, als mir.

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