Goldene Regeln für Promoter im MMA

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Der erste Bereich, für welchen „goldene Regeln“ gelten sollten, sind die Veranstalter. Sie werden oft falsch verstanden, falsch gesehen und leider tun einige von ihnen auch alles dafür, dass dem so ist. Oft sind Veranstalter Menschen mit einer Vision, viel Leidenschaft und einer großen Liebe zum Sport. Sie wollen etwas bewegen, gestalten, aufbauen und dadurch dem Sport helfen. Und ich spreche hier nicht von den „Großen“, die zumeist ein Unternehmen mit vielen Beschäftigten sind, sondern von den vielen vielen „Einzelkämpfern“, die jeden Tag da draußen ackern und sich dabei leider oft selbst Stolpersteine in den Weg legen. Wie in allen Unternehmensbereichen gibt es auch hier kein gültiges Allgemeinkonzept, das Erfolg verspricht, doch wenn man sich an ein paar Regeln hält, dann sollten zumindest günstige Voraussetzungen für einen Erfolg gegeben sein.

Vorab aber noch ein paar klare Worte. Ein Promoter ist ein Arbeitgeber. Als Unternehmer schafft er ein Arbeitsumfeld, das mit willigen und qualitativ möglichst hochwertigen Darstellern eine Bühne zu besetzen hat. Eine Bühne, die von möglichst vielen Zuschauern betrachtet werden können sollte. Ob überhaupt und wenn, wieviel, Geld sich damit verdienen lässt, steht meist in den Sternen. Doch, wie heißt es so schön? „The show must go on!“. Allerdings geht die Show meist einfacher und erfolgreicher weiter, wenn man sich an ein paar Spielregeln hält…

  • Baue ein starkes Team um Dich auf

Auch als Einzelkämpfer sollte man nicht auf die Idee kommen, ein MMA Event alleine zu planen, zu koordinieren und dann gar noch durchzuführen. Sucht Euch als erstes zuverlässige Gleichgesinnte, die an Euren Erfolg glauben und daran mitwirken wollen. Und das durch harte, meist unbezahlte oder zumindest schlecht entlohnte, Arbeit. Wer macht das Matchmaking? Wer ist zuständig für die Kontaktarbeit zu Kämpfern und Teams? Wer kümmert sich um die geeignete Veranstaltungslocation? Wer ist zuständig für Auf- und Abbau, Dekoration, Beschriftung der Umkleidekabinen etc? Wer macht die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit? Wer ist im Planungsstab und entwirft Konzeption, Design und Umsetzung der Promotionmaßnahmen? Ticketverkauf läuft über wen und wo? Wer arbeitet beim Event an der Kasse, als Ordner, beim Catering? Wer kümmert sich um Sanitäter und Ärzte? Wer ist Ansprechpartner vor Ort und wie sind die Leute erreichbar? Gibt es regelmäßige Treffen aller Mitarbeiter? Werden die Fortschritte dokumentiert, festgehalten, ausgewertet? Wer sorgt sich um die Sponsoren? Ich könnte hier noch stundenlang weitere Fragen aufzählen, ohne deren Beantwortung ein Event nur schwer oder gar nicht durchführbar ist. Eines macht dies aber ganz klar. Wer hier einen Alleingang mit ein paar freiwilligen Helfern versucht, wird sich wahrscheinlich bald auf den Hosenboden setzen. Also schaut, dass Ihr ein gutes Team um Euch herum aufbaut, welches unter Eurer Anleitung, aber nicht als Eure Sklaven, arbeitet. Seid offen für Kritik im Vorfeld, denn sie verhindert, wenn man richtig mit ihr umgeht, die Probleme, die entstehen können. Hört auf Euer Team und stemmt so ein Event als GRUPPE mit einer klaren Struktur und Hirarchie. Eben, wie jedes normale andere Unternehmen.

  • Lege klare Regeln für ALLE fest

Egal, ob ich mit meinen eigenen Mitarbeitern, mit der Presse, mit Kämpfern oder Teams kommuniziere oder arbeite – alle brauchen klare und verständliche Regeln, nach welchen eine Zusammenarbeit funktionieren kann. Habe ich ein gutes Team um mich herum, dann wissen die Leute im Team auch genau, was sie leisten müssen und für was jeder Einzelne zuständig ist. Ebenso gilt dies für den Umgang mit Sponsoren, den Medien, den Zuschauern und allen weiteren Beteiligten, im Rahmen einer solchen Veranstaltung. So müssen zum Beispiel alle Kämpfer zum Einwiegen anwesend sein und vor allen anderen Anwesenden gewogen werden. Keine Gewichtstoleranz für einen Kämpfer, während der andere sein Gewicht auf’s Gramm genau bringen muss. Jedes Team hat eine feste Anzahl an Betreuern. Nicht mehr, nicht weniger. Nur wenn allen Beteiligten klar ist, dass hier nach klaren Regeln, die für alle gelten, gespielt wird, werden die Leute die Regeln auch akzeptieren und sich daran halten. Fängt man an hier und dort Ausnahmen zu machen, eigene Strukturen nicht zu achten zu befolgen, dann sollte es niemanden wundern, wenn so ein Event organisatorisch sehr schnell komplett aus dem Ruder laufen kann.

  • Wertet Eurer Event nicht durch inflationäre „Aufwertung“ ab

Was man in der jüngsten Vergangenheit immer öfter in Deutschland beobachten muss: erstes Event einer neuen Serie und die Hälfte aller Kämpfe sind „Titelkämpfe“. Mit Kämpfern, deren Namen man nicht kennt und die (noch) über keine nennenswerte Erfahrung verfügen. Auf der einen Seite zerreißt man sich das Maul über das Kickboxen und die Titel- und Verbandsflut dort, auf der anderen Seite macht man genau das gleiche gerade im MMA. Niemand wird Euer Event besser finden, nur weil er dort um einen Titel kämpft, den es eigentlich gar nicht gibt und den im nächsten Moment eigentlich schon gar niemand mehr interessiert. Ist das in anderen Sportarten, die regelmäßig im Fernsehen zu sehen sind, auch so? Nein! Hier sind die Titelstrukturen klar und für jederman logisch nachvollziehbar. Klar bringt Euch so eine vollmundige Ankündigung von zig Titelkämpfen ein paar unwissende zahlende Zuschauer mehr. Aber Ihr werdet der Erwartungshaltung, welche Ihr damit aufbaut und künstlich generiert, niemals gerecht werden. Warum bemüht Ihr Euch nicht um eine echte Aufwertung des Sports durch gut organisierte Events, ein umsichtiges und nachvollziebares Matchmaking und echte sportliche Wertigkeit der Begegnungen? Bleibt mit den Füßen auf dem Boden! Ich habe in den vergangenen Jahren zig Amateurkämpfe gesehen, die besser, härter und spannender waren, als etliche „Titelkämpfe“, welche einem in Deutschland vorgesetzt werden. Gebt Euch und den Sportlern Zeit zu wachsen, besser zu werden und aus Fehlern zu lernen. Es ist ein gemeinsamer Reifeprozess von Kämpfern und Veranstaltern, der hier von Statten gehen sollte.

  • Bemüht Euch um ein gutes Image

Euer Auftreten und die „Verpackung“ und „Inhalt“ Eurer Veranstaltungen sind das Maß, an dem Ihr von der Öffentlichkeit gemessen werdet. Nicht von den Kämpfern, Teams und Hardcore Fans. Sondern von Lieschen Müller in Hintertupfing, die eigentlich gar keine Ahnung von MMA hat, lieber Fußball schaut und zum ersten Mal ihren Freund auf so ein Event begleitet. Dieses Lieschen Müller wird nachhaltig Euer Image verbreiten. Und vor allem gilt, dass sich schlechte Nachrichten immer länger und weiter verbreiten, als gute. Gibt es bei Euch also etwas auszusetzen, zu beanstanden oder ist gar der „Käfigkampfdings“ einfach nur barbarisch, abstoßend und furchtbar, dann wird das nachhaltig verbreitet. Wenn aber eben dieses Lieschen Müller auf eine Gala kommt, bei der man nicht von der Polizei vor dem Einlass in Hunderstschaftsstärke empfangen wird, wo es keine „Bomberjacken“ mit Pitbulls an der Leine zu sehen gibt und man präsentiert soliden guten Sport, dann wird auch das die Runde machen. Leider zwar nicht so lange und nachhaltig, aber eben im positiven Sinn. In diesem Sinne: haltet Politik, Religion und gesellschaftliche „Parallelgesellschaften“ bitte aus dem Sport raus! Überlegt nur für eine Sekunde, ob Ihr Eure Kinder und Eure Frau mit zu Eurem Event nehmen würdet und fragt Euch, ob sie sich dort wohl fühlen würden. Überlegt mal für ein paar Sekunden, ob Euer Bänker, Euer Hausarzt oder die Verkäuferin von der Bäckerei an der Ecke Euch ruhigen Gewissens mit Eurem Event in Verbindung bringen dürfen… Sie alle sind die Öffentlichkeit, die anhand von dem, was man ihnen wie präsentiert, ein Urteil fällen wird…

  • Behandelt Kämpfer und Teams gut

Bevor es hier gleich wieder heißt „Du solltest mal sehen, wie die sich bei uns benehmen“, veweise ich auf meinen zweiten Punkt. Ich selbst dulde bei meinen Events keine Respektlosigkeiten, Schreiereien oder unsportliches Verhalten. Dies ist eine klare Regel, die für ALLE gilt. Allerdings kann man Respekt und Sportlichkeit nicht einfach erwarten, man muss sie zunächst einmal vorleben und bieten. Dazu gehört, dass man Kämpfer und Teams gleich behandelt, ihnen sportlich mit gebotenem Respekt entgegentritt und fair mit ihnen umgeht. Wenn man die anderen Punkte zuvor schon beachtet hat, dann fällt einem das an dieser Stelle gar nicht mehr schwer, denn es ist ein MITEINANDER. Keine Show ohne Kämpfer, aber auch keine Kämpfer ohne Show. Ganz einfach. Alle ziehen also an besagtem selben Strang und das im Idealfall in die gleiche Richtung. Viele Sportler wissen einen fairen und ehrlichen Umgang sehr zu schätzen. Sie fühlen sich wohl, bringen bessere Leistungen und das ganze Drumherum bei so einem Event läuft einfach stressfreier ab. Und das liegt im Interesse aller. Und was spricht dagegen, einem Kämpfer mit einem Negativrekord eine Chance zu bieten? Was spricht gegen faire Begegnungen, ohne das der Gegner vom Lokalmatador sprichwörtlich zur Schlachtbank geführt wird, nur um ein paar gröhlende Kumpels desselben zufrieden zu stellen? Was spricht gegen eine faire Bezahlung? Wer viele Leute bringt sollte doch auch besser bezahlt werden! Moment, nicht der, dessen Manager verspricht „dass da Hunderte kommen werden“, sondern der, der wirklich fünfzig Tickets verkauft und gut gelaunte Fans mit in die Halle bringt. Schafft gleiche Bedingungen für alle Kämpfer und seid als Veranstalter sportlich unparteiisch, dann werden die Kämpfer und Teams gerne zu Euch kommen und Eure Arbeit zu schätzen wissen. Auch diese positive Resonanz wird sich verbreiten und dem Ansehen Eures Events zu Gute kommen.

Hält man sich an diese fünf einfachen Regeln, dann wird Einiges leichter, stressfreier, positiver und vor allem langfristig erfolgreicher als Veranstalter.

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