von Peter Angerer

japanschlussSeit heute Nacht um zwei bin ich wieder zurück in Good old Germany! Nach einer fast 24stündigen Reise hat mich unser Land wieder. Und ich hatte auf der Heimreise genügend Zeit über das Erlebte und meine gewonnenen Eindrücke nachzudenken. Und da gibt es für mich noch einiges zu erzählen oder zu erwähnen. Zum Beispiel über den Stellenwert, den man als Kämpfer in Japan genießt. Wenn Dir auf einmal wildfremde Leute auf der Straße hinterherrennen und nach einem Autogramm fragen. Oder ein Bild mit Dir machen wollen. Auf so eine freundliche und respektvolle Art, wie man es in unserem Land leider nicht erlebt. Wenn Dich Leute aufrichtig bewundern, für das was Du leistest und wofür Du stehst. Wenn Menschen, die man 15 Jahre oder länger nicht gesehen hat, auf einmal an Dich denken, Grüße ausrichten lassen oder Geschenke zu Deinem Kampf schicken. Ja, in Japan laufen die Uhren als Kämpfer wirklich ganz anders. Da muss man nicht für Anerkennung kämpfen und erklären, dass man eigentlich gar kein krimineller Assi ist. Dort wird einem Anerkennung zu Teil. Anerkennung, die oft das einzige Brot sind, von dem sich ein Kämpfer ernährt. Kein Hype, kein Gepushe… ganz anders, als bei uns hier. Wir sollten uns ein Beispiel nehmen.

Aber auch die Freundschaften, die sich durch das Kämpfen in Japan ergeben und entwickeln, sind ganz anders, als hier. Es gab keinen Tag in Tokyo, an welchem wir nicht als Gast mit einem unserer Freunde zu Essen oder zum Feiern waren. Und wenn ich sage “feiern” dann meine ich wirkliches feiern. Geselligkeit, zusammen essen, reden, lachen, lachen und noch mehr lachen. Die mangelnden Sprachkenntnisse sind hier keine Barriere. Man versteht sich auf wundersame Art und Weise. Man ist ja Kämpfer, wie alle anderen hier auch. Das ist die gemeinsame Sprache, die man hier spricht. Und das genügt. Wenn ich alleine an die Sayonara Party am letzten Abend denke, wird mir das Herz wieder richtig warm! Als Gäste von Ryuji Murakami erlebten Bruno, Kristin und ich einen Abend im Kreis der ganzen Kämpfer, wie ich es mir nie hätte erträumen lassen. Und nur um den “Rekord” von Sonntag Abend zu korrigieren: im “Ikki ikki” habe ich Babo zweimal geschlagen ;-). Kenichi Sato musste sich unserer “Hannya” so oft geschlagen geben, dass ich mir ernsthaft überlegt habe, eine reine deutsche Biertrinker-Mannschaft nach Japan zu schicken. Es war unglaublich, mit so vielen guten Kämpfern und echten Legenden zusammen zu sitzen, zu lachen und zu feiern. Der Spaß kam an diesem Abend wirklich nicht zu kurz und ich werde noch lange an diesen unbeschreiblichen Abend zurück denken.

So möchte ich mich an dieser Stelle, bei einigen Leuten bedanken. Bei Soeno Kancho, unserem Großmeister und Stilbegründer, der uns am Sonntag Abend noch die Ehre gab, mit ihm alleine essen zu gehen und Zeit mit ihm zu verbringen. Zeit, in welcher er wieder gezeigt hat, was er für ein Herz hat und warum das Shidokan für mich meine Seelenheimat ist. Bei Makoto Seshime und Kenichi Sato, die sich unbeschreiblich gut um uns gekümmert haben und mit denen wir alle in den vergangenen Tagen so viel lachen durften, wie nur selten in meinem Leben. Bei Ryuji Murakami Shihan, einer echten Kampfsport- und K1 Legende, der uns als Gäste behandelt hat, wie ich es zuvor noch nie erleben durfte. Bei dem mehrfachen japanischen K1 Champion Toru Oishi, dem K1 und S1 Fighter Ryo Sakai und bei meinem alten Freund Abe Shuji, der mich auch nach über 15 Jahren noch nicht vergessen hat und mir seine Gastfreundschaft zu Teil werden lies. Es sind so viele Namen, die mir jetzt im Moment gerade gar nicht einfallen, aber ich möchte allen danken, die meine Reise nach Japan zu einem wirklich unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.

Zwei Leute, die ich hier an dieser Stelle auf gar keinen Fall vergessen darf und gesondert erwähnen will, sind Kristin und Bruno. Wir sind das “Ikebukuro Dream Team”! Vielen Dank, dass Ihr zwei Euch so in den vergangenen Tagen um mich gekümmert habt. Ich werde Euch das nie vergessen und bin froh, dass ich Euch zu meinen Freunden zählen darf.

Für alle da draussen: wenn Ihr einmal die Möglichkeit habt in Japan zu kämpfen, dann denkt nicht lange darüber nach! Macht es! Stellt Euch der Herausforderung! Ihr werdet etwas gewinnen, das ihr (leider) in unserem eigenen Land nie bekommen könnt!

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