"Die Wahrheit schaut Euch an, …

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…auch, wenn Ihr die Augen vor Ihr verschließt!“

Gestern wurden erstmals die Europameisterschaften von ADCC in Deutschland abgehalten. Ein Projekt, welches mich in den letzten Wochen und Monaten extrem eingespannt und beansprucht hat. Aber auch ein Projekt, das es meiner Meinung Wert war und ist, so viel Energie und Zeit zu investieren. Und Gott sei Dank hatten wir wirklich tatkräftige Unterstützung von Sponsoren, ADCC Europe und der Führungsriege von ADCC Germany, so dass wir endlich ein deratiges Unterfangen ernsthaft in Angriff nehmen konnten. Vor allem meine Verlobte Kristin Handel hat in den letzten Wochen unzählige Stunden E-Mails beantwortet, Listen gepflegt und Brackets erstellt und mich in der Schlussphase extrem entlastet. Ich wollte unbedingt, dass die Europameisterschaften in Deutschland zum Ereignis und Erlebnis werden. Und ich denke, dass haben WIR ALLE GEMEINSAM auch geschafft.

Und dann passierte es. Einer nach dem Anderen. Immer wieder. Die deutschen Kämpfer schieden aus. Unterlagen, trotz wirklich enorm starker Leistungen, einfach noch stärkeren Gegnern. Bei manchen von ihnen sah man echt den Schock im Gesicht stehen. Bei vielen die Enttäuschung. Bei den meisten die Frustration über das Nicht-Erreichen der selbst gesteckten Erwartungshaltungen.

Denn hier in Deutschland und auch bei großen europäischen Turnieren räumt man doch ab. Da hagelt es regelrecht Goldmedaillen und Championgürtel. Fast keine Woche vergeht, ohne dass man nicht lesen kann, dass wieder ein großes Turnier gewonnen wurde. Und vor allem die Aufstellung der deutschen Kämpfer bei den diesjährigen Meisterschaften war schon wirklich ein „Who is Who“ des Grapplingsports in unserem Land. Wirklich alles sehr erfahrene Leute mit guter internationaler Reputation. Schwarzgurte, Europameister und und und. Woran lag es dann, dass „Grappling Deutschland“ gestern regelrecht eine Klatsche bekam? Warum holten unsere Kämpfer nicht eine einzige Medaille bei den Professionals der Frauen und Männer?

Nun, die Erklärung ist meiner Meinung nach ganz einfach. Gestern sah und erlebte man den Unterschied zwischen ambitioniertem Hobby- und Breitensport und echtem Profisport. Was gestern auf den Matten in Mainz zu sehen war, war schlichtweg das höchste und krasseste Niveau im Grapplingsport, das man bis dato in Deutschland erleben durfte. Wir wurden von einer polinisch-skandinavischen Welle regelrecht weggespült. Keine Frage, die Athleten aus Deutschland haben sich allesamt wacker geschlagen. Ein Maurice Skrober holte sich da erst mal in einem unglaublich starken Teilnehmerfeld zwei Submissionsiege, bevor er im Viertelfinale nach Verlängerung durch Pflichtentscheid unterliegt. Ebenso, wie ein Svilen Dimitrov, der ebenfalls zwei Siege gegen extrem starke Gegner einfahren konnte. Doch das alles kann nichts an der Realität verändern, dass die Grappler in Deutschland aufwachen müssen und nicht länger die Augen verschließen dürfen.

Denkt Ihr, dass Euch Siege auf national mittelmäßig besetzten Turnieren in irgendeiner Art und Weise fit machen für dieses Level von Competition, das man gestern in Mainz erleben durfte? Nein! Uns wurde gestern eine Botschaft mitten ins Gesicht geklatscht! ADCC ist hier in Deutschland angekommen! DAS ist das Level, auf dem man sich zukünftig messen muss! Das ist das Format, das die Grenzen für eine „Komfortzone“ vorgibt. Und die ist gleich „Null“. Es reicht nicht nur, fleißig und hart zu trainieren! Ihr müsst kämpfen! Gegen wirklich starke Leute kämpfen! Da gehört verlieren dann eben auf dem Weg zum besser werden auch dazu. Das ist die Wahrheit, die Euch anschaut, auch wenn man die Augen vor Ihr verschließt.

Ich ziehe meinen Hut vor allen deutschen Athleten, die sich gestern auf diesem Niveau auf die Matte gestellt hat. Ich habe mich über jeden einzelnen deutschen Sieg gefreut, als wäre es mein Geburtstag. Aber da ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich weiß, dass wir in Deutschland ein enormes Potenzial haben. Ich weiß, dass wir viele engagierte Grappler und Bodenkämpfer hierzulande haben. Also geht da raus, geht auf die ADCC Competions in ganz Europa und messt Euch mit den Besten! Sammelt Erfahrung, verbessert Euer Game und holt Euch dann AUF SO EINER MEISTERSCHAFT den Titel!

Ich glaube an die Grappler in Deutschland! Ich weiß, dass jeder Einzelne von ihnen das Zeug dazu hat, bei so einer Europameisterschaft zu bestehen. Aber wir sind halt ein bisschen bequem und ehrlich gesagt auch verweichlicht. Denn das „Gewinnen“ auf einem Amateurturnier macht doch mehr Spaß, als das Verlieren bei dem Event gestern! Oder?

Ich weiß, dass die richtigen Sportler die richtigen Entscheidungen treffen werden und freue mich auf die zukünftigen Erfolge unserer Athleten, doch bis dahin liegt noch ein langer und steiniger Weg vor uns…

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