Die Fallakte "Huber", Teil 2

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von Peter Angerer

Der Bericht über die Wertung des Titelkampfes zwischen Tobias Thiago Huber und Sergej Krämer bei „Vote MMA“ Ende April hat für ziemlich Aufruhr und Reaktionen in der deutschen MMA Szene gesorgt. In den letzten sechs Tagen wurde von meiner Seite mit vielen Personen diskutiert, gesprochen, geschrieben und gewartet. Nun, sechs Tage nach dem „offiziellen Entscheid der unabhängigen Kommission“ scheint mehr unklar als klar zu sein. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Michael Wachter, dem Vorsitzenden des Kampfgerichts, welches den Kampf vor Ort gewertet und entschieden hatte, für seine offenen Worte und Erklärungen bedanken. Er stellt sich der Verantwortung und ist um eine Lösung der Situation bemüht.

Doch fassen wir mal die Fakten zusammen:

  1. Marco Broersen, einer der erfahrensten Referees weltweit, welcher auch den Kampf vorbildlich leitete, machte kein Geheimnis daraus, dass auch er den Kampf an Tobias Thiago Huber gegeben hätte, wenn er gepunktet hätte.
  2. Michael Wachter, der Vorsitzende des Kampfgerichtes teilte diese Meinung und empfahl selbst dem Veranstalter Valentino Kerkhof, einem Einspruch von Tobias Thiago Huber stattzugeben.
  3. Der Veranstalter selbst hat das Video des Kampfes an einige verschiedene Personen aus der deutschen MMA Szene zum Betrachten geschickt und ALLE haben den Kampf für Tobias Thiago Huber gesehen. Auf diese Kommentare und Einschätzungen reagierte der Veranstalter (welcher auch der Trainer des „Siegers“ Sergej Krämer ist) sehr kritisch und uneinsichtig.
  4. Bisher wurden weder die Scorecards des Kampfes, noch die Punkterichter, noch die angebliche „unabhängige Kommission“ und deren Wertungen und Begründungen hierfür genannt oder bekannt gegeben.
  5. Momentan spricht man zwischen dem Team von Tobias Thiago Huber und dem Veranstalter über einen möglichen „No Contest“, also eine Abänderung des Urteils durch den Veranstalter in ein NC.

Dazu sollte man das Regelwerk der Unified Rules of MMA ein wenig kennen, um hier mitdiskutieren zu können. Rufe nach einem Rückkampf oder der Abänderung in ein NC sind haltlos und entbehren jedweder Logik und sind nicht regelkonform.

Der Kampf von Tobias und Sergej wurde ohne Regelwidrigkeiten, Unfälle oder Verletzungen bis zum Ende geführt. Keiner der Athleten wurde durch ein unabhängiges Kontrollorgan auf die Einnahme von illegalen Substanzen geprüft. Es gibt also in keinem Fall auch nur annähernd die Grundlage für eine regelkonforme Abänderung des Urteils in ein „No Contest“. Eine derartige Missbilligung des gängigen Regelwerks gründet entweder auf absoluter Unsachkenntnis oder auf purem Unverständnis des Sports MMA. Wer auch immer in diesem Falle eine derartige regelwidrige Änderung des Urteils in Betracht zieht, weiß entweder nicht, was er macht oder er weiß es und begeht vorsätzlichen Betrug.

Das Urteil, welches offensichtlich ein schwerwiegendes Fehlurteil ist, so stehen zu lassen, genügt den selben Ansprüchen, wie der Änderung in ein „No Contest“

Selbst Marco Broersen versteht nicht, warum Kampf- oder Punktrichter nicht genannt werden sollen. Nur Transparenz macht den Sport fair und verständlich. In diesem Falle nicht gerade das, was hier vom Kampfgericht, der angeblichen „unabhängigen Kommission“ oder dem Veranstalter vorgelebt wird.

Um diesen Skandal einigermaßen in den Griff zu bekommen, muss hier ganz klar gesagt werden:

  1. Es bedarf einer lückenlosen Aufklärung, welche Punkterichter aus welchen Gründen zu welchem Urteil gekommen sind. Dabei sollte es selbstverständlich sein, dass die Punktrichter mit ihren Wertungen benannt werden und die Scorecards veröffentlicht werden.
  2. Ebenso muss lückenlos aufgezeigt werden, warum der Veranstalter und nicht das Kampfgericht, angeblich mehrere unabhängige Personen mit einer neuen Wertung beauftragt haben, wer diese Personen sind, und warum sie welche Wertung wie vorgenommen haben. Hier immer pauschal davon zu reden, dass dem Einspruch nicht stattgegeben wurde, ist ein Unding und wird in keinem Sport so gebilligt oder hingenommen.
  3. Das offensichtliche Missachten von gängigen Regeln und Verfahrensvorschriften in diesem Fall ist nicht hinnehmbar und darf hierzulande auf keinen Fall Schule machen. Es muss offiziell eine unabhängige Wertung des Kampfes durch ein namentlich bekanntes Kampfgericht mitsamt Begründung desselben und dieses Urteil muss vom Veranstalter und den betroffenen Sportlern akzeptiert werden.

Sollte hier nicht nach den üblichen Standards und Vorschriften des Sports MMA gehandelt werden, ist die sportliche Wertigkeit eines solchen Kampfes nicht mehr gegeben und der Kämpfer wird zum Spielball der Promoter.

Ich hoffe auf rasche Aufklärung ohne weitere unnötige Verzögerungen und halte Euch diesbezüglich natürlich auf dem Laufenden.

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