von Peter Angerer

Wir haben alles gegeben. Wir haben trainiert, Gewicht gemacht, gekämpft und sind mit wehenden Fahnen untergegangen, obwohl wir bis zum letzten Mann gekämpft haben. Unser Team hat es nicht in das Finale der DGL in der Saison 2012 geschafft. Bitter, unschön, frustrierend, sub-optimal…. und doch ein Erfolg! In nur drei Jahren haben wir es geschafft aus einem Haufen Anfängern, Eigengewächsen und Enthusiasten eine Mannschaft zu formen, die in der Lage ist, sich mit den besten Teams in unserem Land zu messen. Dass wir dann bei diesem 100 m Rennen zwei Meter vor der Ziellinie stolpern ist hart. Aber es gibt uns Hoffnung auf das nächste Jahr. Wie ich persönlich den gestrigen Tag in Aschaffenburg erlebt habe, schreibe ich kurz in diesem Artikel nieder.

Als die Saison begann, wurden Benjamin Nüßle als Teamkapitän und Max Schmid und Stefan Hoss als Trainer für unsere DGL Mannschaft bestimmt. Eine Entscheidung, die zu 100% richtig war und entscheidend zu unserem Erfolg in der DGL beigetragen hat. Benny hat seine Aufgabe als “Chef” wirklich sehr ernst genommen und vor allem die Verantwortung gesehen, die mit dieser Position einhergeht. Alle Entscheidungen, die er getroffen hat, waren stimmig, gut durchdacht und hätten von mir nicht besser gefällt werden können. An dieser Stelle möchte ich mich bei ihm hier dafür besonders bedanken. Max und Stefan haben als Trainer eine Leistung an den Tag gelegt, die man einfach nur als fantastisch bezeichnen kann. Man hat binnen weniger Monate gemerkt, wie die gezielte Vorbereitung wirklich das ganze Team nach vorne gebracht haben. Zwei Medaillen bei den Deutschen Einzelmeisterschaften im April in Essen haben diesen Kurs bestätigt und gaben dem Team den nötigen Ansporn. Auch Stefan und Max möchte ich an dieser Stelle nochmals von ganzem Herzen für ihre Leistung als Trainer danken!

Beim ersten Kampftag in Mainz hatten wir mit Forchheim und Mannheim zwei Gegner, die es uns einfach gemacht haben, auf Position 1 in der Gruppenwertung zu kommen. Das Team und die Aufstellung bei den Mannschaftsduellen hat gepasst, alle waren auf den Punkt fit und vor allem hungrig. Ich wusste schon an diesem Tag, dass unser Jubel über die Spitzenposition nicht allzu lange dauern darf, da wir mit Mainz und München meiner Meinung nach die zwei Favoriten in unserer Gruppe noch vor uns hatten.

Es wurde also hart auf den zweiten Kampftag trainiert. Zumindest von den meisten. Bedingt dadurch, dass der Termin mitten in den Sommerferien lag und einige Leute verletzt oder im Urlaub waren und die Hitzewelle inklusive Badewetter nicht gerade zur Trainingsmotivation beigetragen hat, war die Vorbereitung gerade auf diesen zweiten Kampftag nicht gerade optimal. Hier möchte ich aber nicht nach Entschuldigungen oder Erklärungen suchen. Der Termin war über Monate vorher bekannt und die meisten der Mannschaft haben sich auch – so gut es ging – vorbereitet.

Als wir in Aschaffenburg ankamen, erfuhren wir, dass wir nicht wie geplant im ersten Duell gegen unseren direkten Mit-Favoriten München ran mussten, sondern erst gegen die Mainzer Mogons (amtierender Deutscher Champion der DGL) und die Caveirinha Family. Das war gelinde gesagt sub-optimal und bescheiden. Einfach in kürzester Zeit die Mannschaftsaufstellung für das erste Duell über den Haufen schmeissen, aber ok.

Benny, Max und Stefan haben sich dafür entschieden, eine Ersatzmannschaft gegen die starken Mainzer aufzustellen, um die Top Leute unseres Teams für das Münchner Entscheidungsduell so gut wie nur möglich zu schonen. Eine harte Entscheidung, aber taktisch gesehen einfach das einzig Richtige. Erwartungsgemäß hat uns die “A-Mannschaft” der Mainzer dann auch gleich richtig verpackt und uns die Klatsche gegeben. Alle Kämpfe wurden verloren und wir haben böse Lehrgeld bezahlt. Doch die Leistungen von Brian, Stefan, Domi und Thiemo in diesen Matches war wirklich mehr als sehenswert und wir haben unsere Haut so teuer es ging verkauft.

Das Duell gegen die Caveirinha Family danach verlief dann ebenfalls wie geplant. Hier stellten wir unser “A-Team” auf und gewannen erwartungsgemäß alle Kämpfe, sechs davon vorzeitig mit Submission. Das gab dem Team wieder Auftrieb und lies auf einen Erfolg gegen eine enorm stark aufgestellte Münchner Mannschaft hoffen. Das entscheidende Duell um den Einzug in das DGL Finale war dann ein nervenzerreissender Mattenkrimi. Spannender hätte ein Entscheidungskampf wirklich nicht sein können. Die Münchner boten mit Roland Laritz, Gerhard Tenhünfeld und Wesley Howard ein echtes Starangebot auf und wir wussten, dass dieser Gang schwer wird. Aber unsere Jungs haben alles gegeben. Nachdem Stefan den Auftaktkampf gegen Roland Laritz nach Punkten verloren hatte, zog David gegen Felix Wiedemann mit einem Punktesieg gleich. Daniel Saric legte noch einen drauf und besiegte Domi Henne mit Submission und wir lagen vorne! Mit einer übermenschlichen kämpferischen Leistung zeigte Max Schmid, wie sehr er ins Finale wollte. Er stand gegen Gerhard Tenhünfeld und wahrscheinlich dachten alle, dass das ein schneller Sieg für den Deutschen Meister wird. Angegriffen und attackiert hat aber Max und Tenhünfeld schaffte es nur mit Mühe sich über die Zeit auf ein Unentschieden zu retten. Damit lagen wir nach vier Kämpfen vorne und ich war dran. Ich hab den Gegner und seine Beinhebelverteidigung einfach unterschätzt, bin zu früh in den Angriff gegangen und habe zu viel gepokert. Ich konnte mit arger Mühe gerade noch dafür sorgen, dass ich nicht getappt werde und gab den Kampf nach Punkten ab. Damit lagen wir noch leicht nach Punkten vorne, verloren aber die beiden Kämpfe in den schwereren Klassen trotz toller kämpferischer Leistungen von Domi und Thiemo durch Submissions. DAS war eine bittere Pille!

Der einzige Trost, der mir bleibt, ist die Tatsache, dass in meinem Team nur Jungs gekämpft haben, die bei mir angefangen und gelernt haben. Wir haben keine “Söldner” aus Nürnberg, Ravensburg oder sogar aus dem Ausland rekrutieren müssen, um da zu stehen, wo wir sind. Wir haben das mit nur mit uns selbst und durch uns selbst geschafft. Nach drei Jahren sind wir an dem Punkt, wo wir “zusammengekauften” Mannschaften mit international erfahrenen Weltklasse Athleten die Stirn bieten können. Wir können mithalten und den einen oder anderen richtig ärgern. Niemand geht einfach an uns vorbei und respektiert uns nicht oder nimmt uns leicht. Wir sind das GERMAN TOP TEAM und ich bin gespannt, wo uns die Reise in weiteren drei Jahren hingebracht hat.

Das schönste Kompliment für mein Team kam gestern von unserem stärksten Konkurrenten. Der “Chef” Matthias Werner hat die beste Besatzung der Mainzer Mogons gegen uns aufgestellt, weil er uns als ernste Konkurrenz gesehen hat. Danke Matthias! Das bedeutet mir und meinen Jungs wirklich viel und wir alle haben es mehr als zu schätzen gewusst, dass die Mainzer bis zum Schluss da geblieben sind und uns angefeuert haben. Das sind die Momente, die mich wirklich stolz machen und mir persönlich mehr bedeuten, als jeder Titel oder Sieg.

Und eine kurze Botschaft an meine Jungs: Ihr seid der Wahnsinn! Und morgen sehe ich Euch im Training!

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