Er ist momentan der erfahrenste und auch erfolgreichste Amateur Shooter in unserem Land. Mit 11 Kämpfen in seinem Rekord (8 Siege, 3 Niederlagen) in nur 15 Monaten ist er sicherlich auch der fleißigste. Und wenn man bedenkt, dass er erst 18 Jahre alt ist, dann sieht man eine rosige Zukunft für Amin Aichele, der sich seinen Kampfnamen “Aminari” wirklich mehr als verdient hat. Ebenso, wie sein Vorbild Masakazu Imanari, dem “King of Leglocks”, kämpft Amin einen sehr unorthodoxen aber durchaus effizienten Stil im Shooto und ist für seine brandgefährlichen Beinhebel bekannt. Wir stellen Euch die derzeitige Nr.1 in der Deutschen Shooto Rangliste im Leichtgewicht -65 kg etwas näher vor und blicken auf seine bisherigen Kämpfe zurück. Wir schauen aber auch auf die ehrgeizigen Ziele, die sich “Aminari” in diesem Jahr noch gesteckt hat…

Wenn man Amin vor zwei Jahren gesehen hat, dann hat man sich nur schwer oder gar nicht vorstellen können, dass er in so kurzer Zeit zu dem herausragenden Shooter in seiner Gewichtsklasse aufsteigen wird. Mit seiner lockeren und witzigen Art passt er gar nicht so recht Kurz, nachdem er mit seinem Training im German Top Team begann, erkannte man das Potenzial des überaus ehrgeizigen und trainingsfleißigen Jungen. Bereits nach etwas mehr als einem halben Jahr folgte Amins Debüt bei “Contenders I” in Stuttgart, als er dem Schweizer Grappler Yanick Isenmann gegenüber stand. Amin gewann den Kampf nach Punkten und machte mit diesem unerwarteten Sieg deutlich auf sich aufmerksam. Nur drei Monate später folgte sein zweiter Kampf gegen Miguel Cordeiro aus der Schweiz. Dieses Mal kontrollierte Amin den gesamten Kampfverlauf und siegte in Runde 2 vorzeitig mit einer Submission. Und bereits in seinem dritten Kampf stellte er sich dem Profi Thaiboxer Ricardo Zapata. Erstmals musste Amin wirklich harte Schläge und Tritte schlucken, doch wieder siegte er vorzeitig in Runde 2 mit Submission. Nach drei Siegen in Folge, zwei davon vorzeitig, glaubte man schon, ein Wunderkind gefunden zu haben. Denn Amin war zu dieser Zeit noch zarte 17 Jahre alt und kämpfte problemlos bei den Herren mit. Und das noch überaus erfolgreich. Bei “Contenders IV” allerdings folgte seine erste Niederlage. Der Münchner Nicolas Spindler vom KS Gym rang Amin eine knappe Punkteentscheidung ab und gab dem Shootingstar erstmals die Gelegenheit, den bitteren Geschmack der Niederlage zu testen. Wer jetzt dachte, dass dieser Dämpfer den jungen Nachwuchskämpfer stoppen würde, der hatte falsch gedacht. Amin machte sich daran, sein Training zu optimieren. Zusammen mit Stefan Hoss bereitete er sich auf seinen nächsten Kampf bei den German Vale Tudo Open 2010 in Reutlingen vor. Er traf hier auf den starken Grappler und Dutch Open Sieger Tobias Huber aus Mannheim. Mit einer erschreckenden Coolness und Abgeklärtheit setzte Amin im Stand seine neuen Waffen ein und konnte Huber noch in Runde 1 durch TKO stoppen. Ein Sieg, der für Amin durchaus wichtig war und seine Entwicklung als Kämpfer deutlich beeinflusste.

Nach einer schulisch bedingten Wettkampfpause meldete sich Amin erst beim “Planet Fighting Cup” im April wieder im Wettkampfgeschehen zurück. Und er hatte schon etwas mit seiner mentalen Verfassung zu kämpfen. Während er den Münchner Mark Frehner noch vorzeitig im Turnier durch einen Leglock stoppen konnte, unterlag er zweimal an diesem Tag knapp nach Punkten. Bastian Engel und Aftap Khan sicherten sich knappe Punktesiege gegen Amin, der zu verbissen auf ein Submission arbeiten wollte und die wichtige Top Position im Bodenkampf hergab. Eine bittere Lehre für Amin, den dieser Misserfolg echt beschäftigte. Und zwar ungefähr 24 Stunden lang. Dann stand er nähmlich am nächsten Tag bei dem “Tapout Cup” auf der FIBO in Essen wieder auf der Matte und zeigte, dass die Niederlagen vom Vortag nur dumme Ausrutscher waren. Im Halbfinale zwang er Michel Petition in weniger als einer Minute mit einem Heelhook zur Aufgabe und im Finale wiederholte er seinen Kampf gegen Tobias Huber aus Mannheim, den er kurz vor Ende der zweiten Runde mit einem harten Kniestoß zum Kopf ausknockte. Als Turniersieger beim “Tapout Cup” meldete sich Amin eindrucksvoll an der deutschen Spitze in seiner Gewichtsklasse zurück und machte klar, dass er dieses Jahr unbedingt um den Deutschen Titel kämpfen will.

Seinen letzten Fight hatte er bei “Contenders VI” am 21. Mai in Reutlingen, als er wieder einmal einen Ausflug in das Weltergewicht machte und dort in der Klasse -70 kg gegen den starken Forchheimer Boxer Caner Arap kämpfte. Amin verfolgte von Anfang an eine klare Strategie und dominierte mit seinen Takedowns den gesamten Kampfverlauf. In zwei Runden brachte er Arap insgesamt sieben Mal zu Boden und zeigte, dass er nicht nur am Boden und im Stand, sondern auch in den Übergängen vom Stand zum Boden, deutlich stärker geworden ist. Ein klarer Punktesieg belohnte diese Leistung.

Mittlerweile steht fest, dass Amin am 26. Juni bei den diesjährigen Europameisterschaften im Shooto in Deventer (Holland) für die Deutsche Nationalmannschaft an den Start gehen wird. Und sein erklärtes Ziel ist “DIE” Medaille! Momentan bereitet er sich im German Top Team zusammen mit seinem Trainer Peter Angerer und den Coaches Bastian Schäfer, Stefan Hoss und Benjamin Nüßle konzentriert auf diese Aufgabe vor. Wir drücken Amin für sein Vorhaben die Goldmedaille nach Deutschland zu holen alle Daumen und wünschen ihm den Erfolg, den er sich mit seinem harten und hingebungsvollen Training verdient. Eines ist ganz klar: hier steht ein Talent in den Startlöchern, das in der nächsten Zeit noch gehörig von sich Reden machen wird.

Teilen